Dienstag, 5. April 2011
"Archie Comics" erste schwule Comic Book-Serie: KEVIN KELLER
Kevin Keller # 1 wird ab Juni auch im UNFUG erhältlich sein. In der 6-teiligen Mini-Serie erfahren wir mehr über den Werdegang des "Neuzugangs" Kevin in die Riverdale - Clique um Archie, Betty, Veronica & Co.
Interessant könnte es werden, wenn Themenbereiche wie Kevin's Coming-Out, sein erster Freund usw. dargestellt werden. Die bisherigen Auftritte Kevins innerhalb der regulären "Archie"-Heft-Reihen wurden fast ausschließlich positiv aufgenommen; "Veronica" # 203 (Kevin's Erst-Auftritt ) hatte sogar die Ehre, das erste "Archie"-Comic Book zu sein, das ein 2nd printing erhielt!
Der Verlag Archie Publications kündigte die "Kevin Keller"-Reihe als deren "wichtigste Comic Book Publikation der letzten 70 Jahre" an! Schön zu sehen, das sich der Verlag von Boykott-Aufrufen und Drohungen "bibeltreuer Christen" nicht beeindrucken bzw. umstimmen läßt...
Gallié & Andreae: Die Bruderschaft der Krabbe [Splitter] - Perramus revisited.
Ich werde häufiger gefragt, welches Element des Comics für mich bedeutsamer ist, ob nun die grafische oder die erzählerische Dimension. Bei einem hybriden Medium kann man dies nicht einfach oder gar trennscharf unterteilen. Der Comic hat eine etwas sonderbare Dynamik, ein mittelmäßig gut erzählter Plot kann durch eine geschickte assoziative Bildgestaltung nur gewinnen und umgekehrt kann sich hinter brillanten Bilderwelten ein erbärmlich unausgegorenes Storyboard verbergen.
Spitzzüngige Spötter könnten jetzt hieraus ableiten, dass man mit dem funktionierenden Medienanteil somit immer den schlechteren Teil abmildern kann. Stimmt! Und ein solches Korrektiv würde auch manchen Bestsellertiteln gut zu Gesicht stehen, aber diese Diskussion ist eine völlig andere.
Leiten wir doch mal über zum eigentlichen Thema - denn manchmal kann die im Comic erzählte Geschichte beim ersten Blick wirklich krude sein, vor Allgemeinplätzen der phantastischen Literatur nur so strotzen und schlussendlich trotzdem überzeugen. Dies geschieht bei "Die Bruderschaft der Krabbe".
Bei der Lektüre des ersten beiden Bände formte sich auf meiner Stirn schon ein ausgeprägtes Skeptikerfältchen. Hier wurden in verschwenderischer Form (fast) alle erwartbaren Figuren des phantastischen Comics versammelt.
Zu nennen wären der in Okkultismus und Wiederbelebungstechnologie erfahrene Forscher plus verwachsenen Gehilfe, der impulsive und trotzdem edel-wilde Werwolf, der überalterte Vampirfürst mitsamt seiner silikonverziertem Leibgarde, die namenslosen und amorphen Alpdruckgestalten eines Lovecrafts and last, but not least Imhotep als sinisterer Mediziner, der seine ewige Jugend dem Aderlass junger Knaben verdankt - Kosmetikkritik mal anders, Lady Bathory durfte in der Mottenkiste bleiben.
Aber trotz aller Klischeereiterei verzaubert die dreiteilige Reihe auf Anhieb. Dies ist zum einen der wirklich atemberaubenden Licht- und Farbatmosphäre geschuldet, die auf den Covern nur ungenügend zum Ausdruck kommt, aber auch dem raffinierten Narrativ, welches dem Leser nie eine zuverlässige Erzählinstanz präsentiert, jede Deutung bleibt bis zur letzten Seite möglich: die wahnhafte, die panische, die okkulte, die offensichtliche, die figurative.
Im Zentrum der Geschichte stehen fünf Kinder/Jugendliche deren Schicksal durch eine Erkrankung verbunden ist. Man schwört sich gemeinsam auf ein hehreres Ziel ein und glaubt durch den Beitritt zur "Bruderschaft der Krabbe" die Ängste vor der Operation mildern zu können. Was zunächst wie das beschreibende Szenario einer zufälligen Gruppenbildung auf einer beliebigen onkologischen Kinderstation erscheint dreht zunehmend ins absurde, groteske, phantastische.
Und alle diese Angstfiguren wachsen über ihre orthodoxen Funktionen hinaus, der Vampir schrumpft plötzlich zum tötungswillige Greis, dem jegliches Mittel zur Lebensverlängerung als legitim erscheint, der von dunklen Gedanken getriebene Forscher ist nur ein erfolgsorientierter Genetiker und auch Imhotep erscheint unter dieser Prämisse nur als verkannter Intensivmediziner.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie einer seit Menschengedenken existierenden Verschwörung angehören, welche die fünf Kinder aufzudecken gewillt sind. Das völlig Andere manifestiert sich in diesem Falle als riesenhafte Kreatur, flankiert von einem Jahrtausende alten Kult, einem konspirologischen Zirkel, dessen Ziel die Schaffung des Unvorstellbaren, des Unsagbaren ist - die Verwirklichung des ultimativen, weltzerstörenden Monstrums - der Krabbe.
Der dritte Band entwickelt (trotz allem phantastischem Zierrat) eine verstörende Stimmung, die mich sehr an Brecchias Perramus erinnerte, auch hier gehen Willkür und Ausbeutung mit der Verwirklichung der eine, großen Idee Hand in Hand.
Tausende von Totenkopf tragende Medizinergehilfen sortieren die menschlichen Schlachtabfälle nach ihrer Nutzbarkeit für die Schaffung der Krabbe. Neben der Darstellung bürokratischer Prozesse innerhalb einer brutalen medizinischen Verwertungskette, dürften auch die mehr als deutlichen grafischen Zitate an dieser Deutung nicht gänzlich unschuldig sein. Und ganz in der Tradition des magischen Realismus (und auch der fortschrittskritischen Phantastik) wird auch hier niemals vollständig geklärt, welche Aussageabsicht die einzelnen Bilder nun innewohnt.
Der Leser kann sich somit auf eine verstörende, atmosphärische dichte Reise durch drei Bände gegeben, deren Ziel nicht die befriedigende Antwort auf alle Fragen ist, sondern vielmehr ein Denkanstoss über die Industrialisierung von Medizin oder den kindlichen Umgang mit dem nahenden Tod oder die wilde Phantasie zweier Comicschaffender oder vielleicht doch etwas völlig anderes - denn natürlich können wir Aufgeklärten nicht daran glauben, dass irgendwer auf diesem Planeten in Laboren oder Hexenküchen an der ultimativen Waffe arbeitet, oder?
Band #01-#03 findet ihr in beiden Filialen, Kostenpunkt pro Band 13,80 Euro.
Band #01-#03 findet ihr in beiden Filialen, Kostenpunkt pro Band 13,80 Euro.
Pictoplasma 6.-10. April in Berlin
Pictoplasma - Festival of Contemporary Character Design and Art
6.-10. April
Babylon, Volksbühne, .HBC and 25 Galleries and Project Spaces in Berlin-Mitte
Montag, 4. April 2011
Sonntag, 3. April 2011
Dieser Sommer gehört der GREEN LANTERN!
Von der Wondercon 2011: ca. 4 (von insgesamt 9) Minuten exklusiver Ausschnitte aus dem GREEN LANTERN Kinofilm (Weltweiter Start ab 17. Juni 2011)!
Hal Jordan, Tomar Re, Sinestro, Dutzende von GL Corps Mitgliedern, der Planet Oa und vieles mehr... alles in diesen Clips... ("Lechz"):
Die US- GREEN LANTERN- Comic Book Serien und Bücher gibt's bei uns in der Torstraße! Die tie-ins zum Kino-Film (auch Merchandise) dann ab Juni/ Juli!!
...und hier (nochmals) der erste offizielle Trailer zum Film (von WB im vergangenen November veröffentlicht). Den zweiten -längeren- Kino-Trailer gibt's lt. Warner Bros. exklusiv vor Marvel / Disney / Paramount's "THOR" zu sehen (zumindest in den US-Kinos).
Hal Jordan, Tomar Re, Sinestro, Dutzende von GL Corps Mitgliedern, der Planet Oa und vieles mehr... alles in diesen Clips... ("Lechz"):
c ) 2011 DC / WB
Die US- GREEN LANTERN- Comic Book Serien und Bücher gibt's bei uns in der Torstraße! Die tie-ins zum Kino-Film (auch Merchandise) dann ab Juni/ Juli!!
...und hier (nochmals) der erste offizielle Trailer zum Film (von WB im vergangenen November veröffentlicht). Den zweiten -längeren- Kino-Trailer gibt's lt. Warner Bros. exklusiv vor Marvel / Disney / Paramount's "THOR" zu sehen (zumindest in den US-Kinos).
c) 2011 DC / WB
Samstag, 2. April 2011
Dragon / Peeters: RG - Verdeckter Einsatz in Paris II: Bangkog Belleville [Carlsen] Bittere Beobachtungen, billigende Zuschauer
Pierre Dragon hat einen neuen Fall: Schleuserbanden und Menschenhandel mitten in Paris. Überrachenderweise führt ihn das nicht nur ins Rotlichtmilieu, sondern auch in die Textilbranche und damit direkt zu den Lesern. Oder haben Sie kein billiges T-Shirt einer großen Modekette? Ach, Sie haben darauf geachtet, dass es nicht aus Billiglohnlndern kommt ... Naiv.
Im Regelfall bin ich kein Freund der schriftlichen Wiedergabe von Waschzetteln oder Klappentexten, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme, weil diese drei Sätze einfach eine ernstzunehmende Wucht entwickeln können, wir Rezensenten nennen sowas auch gerne schallende Ohrfeige.
Zum Comic: Pierre Dragon ist ein Tarnname, ein Alias. Dragon ist ein verdeckter Ermittler im Dienste der R.G. - Renseignements Généreux, der geheimdienstlichen Abteilung der französischen Polizei. Ein Mann vom Fach, Geheimdienstbulle, harter Hund.
Frederik Peeters, der Zeichner hat die Interviews, die er mit Dragon geführt hat zu atemberaubend lebensnahen Szenen und glaubwürdigen Momentaufnahmen verfugt, die die Ermittlungstätigkeiten als präzise Miniaturen abzubilden verstehen.
Während im ersten Teil der oftmals triste Beschattungsalltag bei der Verfolgung großangelegter, schmutziger Transaktionen und der organisierten Geldwäsche im diplomatischen Milieu (mit politischer Duldung des französischen Staates) geschildert wurde, wechselt der Comic in diesem Band nun auf die Strassenperspektive. Im scharfen Gegensatz zu Riad an der Seine ist das Verbrechen hier nicht abstrakt und entrückt, fährt nicht in abgedunkelten Limosinen durch die Pariser Nacht der besseren Viertel, sondern leidet unter der ständigen Furcht vor Razzien und Abchiebung.
Es sind die Illegalen, die sans papiers, denen dieser Comic zugewandt ist, die bettelarmen Unsichtbaren, die in den billigen Bordellen ausbluten, die in illegalen Schneidereien in den Banlieus für große Ketten kostenneutraler schuften. Say it, the dirty word - Sweatshops mitten in Paris.
Dragon schildert die Ermittlungsarbeit minutiös, all der Frust, all die Wut, all die Willkür. Spricht offen von den rassistischen Vorurteilen von Kollegen, vom dem eine Hand wäscht die andere Prinzip, von den vereitelten Razzien und von den treuen Spitzeln, ohne die er als Ermittler vollkommen chancenlos wäre.
Was mich an dem Comic fasziniert ist zweierlei. Zum einen die Gabe Peeters so präzise, dichte und glaubwürdige Bilder zu entwerfen, dass man ihm die Abbildung der Wirklichkeit abnimmt, denn es eine große Herausforderung an die darstellende Kunst, kritisch & spannend zu erzählen ohne in die dokumentarische Ödnis zu verfallen. Aber auch die Deutlichkeit mit der Dragon den Polizeialltag schildert, frei von klebriger Heroisierung oder aufdringlichem Machismogebaren, ist bewundernswert.
Bangkog Belleville ist (ebenso wie der erste Band) ein sehr spannendes erzählerisches Experiment, welches dem politischen Comic eine neue, hochrealistische Nuance hinzufügt, daher meine klare Flaneurempfehlung!
Ich verspreche euch, (mindestens) eine Szene in diesem Comic wird euch wütend machen, eine andere betroffen und bei einer weiteren werdet ihr die Magensäfte auf ihrem Weg nach oben spüren. Peeters erzählt in harten, impressiven Bildern, die man so schnell nicht vergessen wird - und Sie glauben dass das in Ketten schlagen eine vergangene Tradition in Europas Städten sei ... Naiv.
Brandaktuell, hochspannend und vielleicht ein Hebel auch mal die nicht ohnehin schon menschenrechtbewegten Zeitgenossen auf die hässliche Fratze des globalisierten Marktes aufmerksam zu machen und vielleicht auch ein probates Mittel, die allzu flachen Klischees über Polizeiarbeit und Bullenschweine zu überdenken. Die beiden etwas anderen Polizeiromane findet ihr hier in beiden Filialen - Kostenpunkt pro Band: 16,90 Euro.
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