Donnerstag, 8. September 2011

Fábio Moon / Gabriel Bá: Daytripper [Vertigo]. Ein farbenreich erträumtes Leben.






Fábio Moon & Gabrial Bá liefern mit ihrer dem magischen Realismus große Ehre erweisenden Farborgie einen Meilenstein der aktuellen Comicgeschichte ab. Daytripper ist zwar bereits 2009 erschienen, wurde aber bislang in unseren Breitengraden eher von einer verschworenen Gemeinde von Farb- und Grafiksüchtigen mit großem Enthusiasmus begrüßt. Dabei kann dieses wundervolle Nischenprodukt, das zwischen perfekt austarierter Erzählminiatur und Breitpanoramabildirrsinn oszilliert, durchaus als Geheimtipp gehandelt werden.

Bereits die untypische Farbgebung des Coverartwork sollte hellhörig machen. Daytripper ist deshalb so eigenständig, weil das Duo eine bislang eher marginale Erzähl- und Zeichentradition in den amerikanischen Mainstream einspeist. Moon & Bà sind brasilianische Zwillingsbrüder, die sich scheinbar blind verstehen, und so ist es unglaublich schwierig zwischen beiden Zeichenstilen & Strichen zu unterscheiden, die einzelnen Panels verschmelzen zu einem farbenfrohen Bilderreigen, der in dieser konsequenten, eleganten und sogstarken Wirkung Seltenheitswert besitzt.

Hält man sich nicht mit solchem analytischen Schnickschnack auf, entblättert sich hier ein Panaroma, welches vor Ideenreichtum, zeichnerischer Finesse, ungewohnten Erzähl- und Blickperspektiven nur so trotzt. Hauptfigur dieser Erzählung (die den Beinamen grafische Novelle tatsächlich mal verdienen würde) ist der semi-erfolgreiche Kolumnist Brás de Oliva Domingos. Spross eines höchsterfolgreichen Literaten undselbst ein eher verkrachte Künstlerexistenz.

Sein tägliches Brot erschreibt sich Domingos als Auftragsschreiber in der örtlichen Zeitung - dort verfasst er Nachrufe auf Zuruf, seine Karriere als erfolgreicher Autor ruht natürlich derweil, was ihn aber nachts nicht davon abhält von Ruhm, Blitzlichtgewitter & öffentlichem Interesse zu träumen. Kurz, eine gescheiterte, eine tragisch-komische Figur.

Moon & Bá gelingt es aber diesen versagenden Eskapisten & Tagträumer symphatisch und menschlich zu schildern, so dass sein Schicksal, dem wir beiwohnen werden, durchaus Emotionalität hervorruft. Domingos stirbt - damit verrate ich noch nicht allzuviel - denn sein Tod dauert immer nur ein paar Panels lange an, dann schliesst sich eine neue Kurzepisode an, in welcher er sich Teile seines nicht gelebten Lebens erträumt.

In insgesamt neun gekonnt erzählten Kurzgeschichten wird eine Meditation über den Sinn des Lebens und die Notwendigkeit des Todes angestossen, surreal, elegant, bezaubernd, verstörend. Hier finden sich Bild, Farbe & Text zu einer geschlossenen, erfrischend eigensinnigen Form zusammen, die man nur bewundern kann.

Das faszinierendste an der Umrundung dieser Erzählfigur ist, dass dieses repetitive, wiederkehrende Moment niemals stört, vielmehr entwickelt der Entwurf eines Menschen - der nie war, seine Sogkraft & Finesse gerade aus der steten Wiederholung einzelner biografischer Versatzstücke.

Mehr vorweg zu nehmen wäre euch gegenüber nicht fair, ich kann nur allen Lesern, die den körpergestählten psychologisch blassen Heroen überdrüssig sind, die sich nach raffinierter Erzählerkost abseits der bereits entlaubten Pfade sehnen & einen Blick wagen wollen, in eine noch exotische Bilderwelt den Tipp geben, diesem aussergewöhnlichen Titel eine Chance zu gehen & daher überrascht es auch sicherlich nicht, dass ich meine Flaneurempfehlung nachreiche.

Erwerbbar ist der Titel in beiden Filialen!



Dienstag, 6. September 2011

Nun komplett: Unser DC_New_52-Blog-Sixtett zu JUSTICE LEAGUE #1

Zum DC-Neustart hatten wir sechs Berliner Blogs gebeten, für uns und euch ALLE neuen Hefte vorzustellen; und die seit Donnerstag (fast) täglich eingetrudelnden Kritiken zum ersten Heftchen JUSTICE LEAGUE #1 haben (zumindest uns) Riesenspaß gemacht!

Und das war ja erst der (recht zahme) Anfang, mit einem einzigen Heft, das DC in die Runde geworfen hatte… In zwei bis drei Tagen kommen dann 13 (dreizehn!) weitere Nummer Einsen!

Ein fetter DANK an euch für die tollen Texte! Hier ein kurzer Überblick:





...Wenn mir Comics ein bisschen egaler wären, könnte ich sagen: Joa, nett. Aber da mir Comics nicht egal sind, muss ich zum Reboot bislang sagen: Schwach. Strenggenommen sogar sehr schwach. Die Auflösung des Universums ist beknackt und müsste viel breiter zelebriert werden, die erste Nummer beginnt mit einer fantastischen Exposition, aus der die Autoren allerdings genau nichts herausholen. Neustart? Not so much... ( @nerdcoreblog)
-> weiterlesen

...Dieser Reboot wurde ja eben auch als Einstiegshilfe gemacht. Ich habe aber ein bisschen das Gefühl, das sich dieses erste Justice League Heft einem vor allem dann erschliesst, wenn man die Figuren, die Mythologie und das alles schon kennt. Ich hatte irgendwie das Gefühl, das Heft sei ein einziger Insider-Joke. Ich mag mich da auch täuschen und wüsste gerne was jemand sagt, der das alles noch nie gelesen hat. Aber für mich hat es sich so angefühlt, als wenn der Spass eindeutig auf Seiten der Kenner ist... (@Nilzenburger)
-> weiterlesen

...In Justice League #1 sollte wohl nicht gekleckert, sondern geklotzt werden. Beim Auftakt wollte DC auf Nummer sicher gehen und so hat man seine drei bekanntesten Helden in ein Heft gepackt, aber das Ganze funktioniert nicht ganz. Vor lauter Superman und Batman und Green Lantern (und zugegebenermaßen guter Charakterisierung) wurde versäumt, eine richtig fesselnde Geschichte zu erzählen oder zumindest anzudeuten... (@Ti_Leo)
-> weiterlesen

...Sogar der läppische Cliffhanger hat mich neugierig auf die Fortsetzung gemacht. Ich würde sagen DC hat sein Ziel erreicht und ich warte gespannt auf Ausgabe Nr.2... (@TiberiusTarante)
-> weiterlesen

...Die Zeichnungen von Jim Lee sind gut, sie zeigen, was man erwartet und gewohnt ist. Die Geschichte wird in dynamischen Bildern schnell und vor allem bunt erzählt. Popcorn-Kino auf dem Papier. Justice League #1 ist ein netter, bunter Einstand – aber auch nicht mehr... (@eincomicleben)
-> weiterlesen

... Hui! (@Fadenaffe)
-> weiterlesen

Montag, 5. September 2011

"DCs NEW 52": Grant Morrison's ACTION COMICS - "Golden Age"- Comics und "Smallville" stehen Pate!



Ein "neuer", generalüberholter SUPERMAN absolviert seinen ersten Auftritt im "neuen" DCU (DC Universe) in ACTION COMICS, Vol. 2 # 1, das ab Donnerstag bei uns im UNFUG erhältlich sein wird!

Getextet von GRANT MORRISON ("WE 3", "Batman Inc.", "Supergods") mit Artwork von RAGS MORALES ("Identity Crisis"), präsentiert uns die Neu-Edition von ACTION COMICS die Erst- Auftritte eines jungen Clark Kent im Metropolis des Jahres 2005 (*)

"Superman" (noch mit T-Shirt, Jeans und Boots gekleidet) ist der erste "Super-Held" den diese "Brave New DC-World" je erblickt hat - kein Wunder also, wenn ihm Bevölkerung und Behörden mit einer Mischung aus Furcht und Mißtrauen begegnen.

Dieser "Superman" bewegt sich außerhalb des Gesetzes, neigt zur Ungeduld, kämpft für Dinge die er für richtig hält....

Zurück also zu den Anfängen (in's Golden Age of Comics), als Jerry Siegel & Joe Shuster's Original-Version des Helden noch gegen korrupte Politiker, Bonzen, gierige Makler und Banker, Wife-Beaters & Co. antrat. Interessant, das, was einst in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Superman "social relevant" machte, dies nun wieder ist. So ändern sich die Zeiten (anscheinend doch nicht)! ...der Kreis schließt sich.


Clark Kent alias "Superman" -
Held mit sozialer Verantwortung!


Morrison ist davon überzeugt, das sein "neuer" Superman die derzeitig allgemein weltweit verbreitete Stimmung der Bevölkerung gegenüber ihren Regierenden gut darstellt. "I think right now, we're all feeling that way," sagt er im Interview auf Newsarama.

"Nobody has much faith in their elected leaders in the same way that they did. We all have a lot more cynicism and a lot more doubt about the people who are running our lives than we did when Superman was a 'boy scout.'"


Aber Morrison erzählt uns dort noch viel mehr über
seinen SUPERMAN; im Interview mit Newsarama enthüllt der Autor mehr über das "neue" Metropolis ("modern aber abgetakelt"), Jimmy Olsen ("Clark's Geek-Friend") und warum einige seiner "Young Superman"- Ideen auf der "SMALLVILLE" - TV- Serie basieren ("in the TV show Smallville, Clark's been a lot more like us!")


"...the TV show SMALLVILLE has actually been the most popular version
of Superman probably for the last 15 years!"
GRANT MORRISON

Tom Welling & Erica Durance als Clark / Superman & Lois Lane
"Smallville" c) 2011 WB / DC




ACTION COMICS (Vol. 2) #1, der "Eckpfeiler des modernen DCU" (DC Eigenwerbung) ist ab Donnerstag, 08.09.2011 im UNFUG, Torstr. 75 via US-Import erhältlich (mit Variant-Cover)!
____________________________________


(*)


Hinweis für "DCU-New 52-Komplett-Leser":
Hier, zum besseren Verständnis, die "DCU-Lese-Time-Line"...

2005 ( "-6 Jahre") - spielt die erste Storyline in ACTION COMICS (ab #1), quasi als eine Art "Year 0" für das neue DC Heroic Age.

2006
( "-5 Jahre") - spielt die erste Storyline in JUSTICE LEAGUE (ab #1), quasi das "Year 1" des DC Heroic Age.

Die Stories
aller anderen DCU (NEW 52) -Titel sind in der Gegenwart angesiedelt (ausgenommen natürlich "historische" Serien wie "All Star Western" oder der im Mittelalter angesiedelte "Demon Knights")


"DCs NEW 52": Ab Donnerstag, 08.09. im UNFUG - "Action Comics", "Animal Man", "Batgirl", "Green Arrow", "Stormwatch", "Swamp Thing"...

Für weitere Infos (Autoren, Zeichner, Seitenumfang etc.) zu den Serien, klickt bitte in den jeweiligen Heft-Titel:

ACTION COMICS # 1

regular & variant cover





















Abb. c) 2011 DC

und das findet ihr jetzt witzig, oder?

Uuiieh! Das deutsche Fernsehen kann auch mal ein ansehnliches Feature zu MICKY MAUS machen!

Einblick [Bayerisches Fernsehen] - Sendung vom 4. September 2011
Im Anschluß ein Gespräch mit Jürgen Wollina, Donaldist und Schöpfer des Entenhausener Stadtplans:

Danke an den Mediacontainer

Physik-Superman als Comic-Held

... titelt Peter Mühlbauer einen interessanten Text über die Biographie von Richard P. Feynman (auf heise.de):

"Am 2. September erscheint beim Verlag First Second Books ein Comic , der die Lebensgeschichte des Physiknobelpreisträger Richard P. Feynman zum Inhalt hat.

Feynmans Leben gibt mehr als genug Stoff für eine unterhaltsame Erzählung ab. Das beginnt mit seinem Fachgebiet, in dem er 1965 für seine Forschungsergebnisse zur Quantenelektrodynamik den Nobelpreis verliehen bekam. Vorher arbeitete er unter anderem an Berechnungen zur Herstellung der Atombombe. Im relativ abgelegenen Wissenschaftlercamp in Los Alamos war es Feynman streckenweise so langweilig, dass er auf die Idee kam, Zahlenschlösser an fremden Schränken und Schreibtischen zu knacken..."
weiter auf -> heise.de


Richard Feynman: Nobel Prize-winner; best-selling author; teacher; safe-cracker.




Jim Ottaviani (Author) / Leland Myrick (Illustrator)

Feynman

First Second

ISBN 978-1-59643-259-8 / 9781596432598 / 1-59643-259-4 / 1596432594

26,95 Euro