Donnerstag, 11. April 2013

HURRA! Kindercomics und Gastautor!


Wir können euch ja viel erzählen, ob Comics gut sind oder nicht.  Zeitungen können auch viel erzählen, in ihren sogenannten -Föltungs- -Foheltonks- -Feullitons- Kulturteilen oder so, aber am besten ist doch noch immer die Kundenmeinung, genauer gesagt, eine Kundenmeinung, die ohne  Fachchinesisch auskommt. Einfach Comics in die Hand drücken und gucken, was passiert, darauf zielte auch mein Hintergedanke ab, Eva Schamoni mit ins Taskforceboot zu holen, und nicht nur das, Eva hat keine Kinder, sondern ist in einer ähnlichen Situation wie ich (hier), der Internetmensch ohne Referenzkind. Aber denkt mal nicht weiter über das Wort Referenzkind nach sondern hier, Eva Schamoni...

„Was ist denn das jetzt wieder für ein Depp?!“, dachte ich mir, als ich nur halbbekleidet und mit einem geschminkten Auge aus dem Bad geklingelt wurde. Och nee, ein dummer Postbote. Immer lachen die, wenn ich so hässlich aussehe. Und wer schickt mir überhaupt Pakete, ich wohne hier erst seit 3 Tagen... Aber ganz vergessen: Den Lieblingsquitzi, der mir Comics schickt! Für mich! Für Kinder! Vom Reprodukt-Verlag sogar! Und auch noch 6 Titel! Orrr ob ich die wohl behalten darf? Aber jetzt schnell vor der comicsammelnden Mitbewohnerin verstecken.

Einzeln betrachtet sehen alle sehr unterschiedlich aus. Als erstes fiel mir „Mouk – Helden der Pedale“ ins Auge. Darum fange ich mit diesem Titel mal an: 

(© Reprodukt)

Der Comic wirkt mit dem schaumstoffwattierten Einband und dem bunten Cover wie ein typisches Kinderbuch. Vermutlich ist er das auch, obwohl ich, als wahnsinnig ernst zu nehmender Erwachsener, auch sehr viel Spaß beim Lesen hatte. Die Geschichte um die Freunde Mouk, Schawapa und Popo, die einen Fahrradausflug machen wollen, ist wundervoll illustriert und super geschrieben. An vielen Comics stört mich, dass die Dialoge so schwer über die Lippen gehen. Anders bei Mouk. Beim Lesen hört man förmlich die Kinderstimmen und das macht die Geschichte so witzig, dass ich mich beim Lesen in der Bahn vor Lachen an der Cola verschluckt habe. Mich halten jetzt sicherlich alle Straßenbahnpassagiere für geisteskrank. (zur Leseprobe geht es HIER)

(© Reprodukt)

Zweiter Comic -  „Kiste“. Dieser Titel ist mir besonders durch seinen schönen Zeichenstil aufgefallen. Außerdem hat die Geschichte wirklich ALLES, was man sich als Kind nur wünschen kann: Redende Pappkartons, magische Zauberer und Eltern, die von den tollen Sachen mal wieder nix glauben wollen. Das Geschehen ist umfangreicher als bei „Mouk“ und in Kapitel unterteilt. Ich finde, das würde sich darum super als Gutenachtgeschichte zum Lesen lernen eignen. (Leseprobe? HIER!)

(© Reprodukt)

„Kleiner Strubbel“ und „Pelle & Bruno“ waren optisch nun nicht ganz nach meinem Geschmack, haben mich aber von allen Comics am meisten an Bücher aus meiner eigenen Kindheit erinnert. Gerade  leinere Kinder im Vorschulalter sollten aber auf jeden Fall ihren Spaß haben (da ich ja nicht mehr 3 Jahre alt bin, kann ich schwer wissen, was in dem Alter so in und out ist). Es gibt keine Texte, sondern nur recht einfach gehaltene Bilder, die sehr gut ohne weitere Erklärungen auskommen. Thematisch sind beide Geschichten sehr ähnlich. Wo Strubbel sehr klein ist, und so die Abenteuer in einem Blumenbeet erleben kann, wächst der Garten von Pelle und Bruno durch ein Experiment riesengroß, weshalb haushohe Regenwürmer und Schnecken ihr Unwesen treiben. Ob nun mein Stil oder nicht, diese 2 Bücher sind sehr liebevoll gestaltet und gerade für Kleinere absolut zu empfehlen! Nicht zuletzt, weil einem beigebracht wird, wie wichtig es ist, zu verzeihen. Bücher mit Moral mag ich ja eh für Kinder. (Leseprobe HIER)

(© Reprodukt)

Nun zu „Ariol“, Quitzi's Liebling. Natürlich verstand ich schon ab Seite 1, wieso das sein Favorit ist. Witzig illustriert, geniale Dialoge und Geschichten, wie sie sicher schon in jedem Haushalt mit Kindern passiert sind. Gerade darum aber auch nicht wirklich ein Buch für die kleinsten Zwerge. Einige Wörter  und Zusammenhänge könnten dafür doch noch etwas zu schwierig sein. Ich denke, ab 7 oder 8 Jahren könnte das klappen und gerade für zwischendurch ist so eine kleine Anekdote  auch für  usgewachsene sehr unterhaltsam! Interessant fand ich, dass der „Ariol“-Künstler auch „Mouk“ illustriert hat. Beide sind total unterschiedlich, sowohl vom Stil als auch von der Aufteilung der Bilder. Vielseitig ist der  Mann. Gefällt. (wolle Leseprob? HIER)

(© Reprodukt)

Zu guter Letzt zu meinem absoluten Highlight „Hilda und der Mitternachtsriese“!! (Denkt Euch 4765946024802 Herzchen.) Der Comic fällt schon gleich durch sein großes Format und seine dunkle hochwertige Covergestaltung auf.  Innen hört das Staunen gar nicht auf, jedes Bild ist ein Hochgenuss! Der Zeichenstil wundervoll, die Farbgebung perfekt und die Geschichte ist einfach mega ultra. Ich weiß gar nicht genau, wieso dieser Comic explizit für Kinder ausgeschrieben ist, den werde ich noch lesen, wenn ich 106 bin. Und auch dieser Titel ist nicht wirklich was für die Kleinsten unter uns. Dennoch empfehle ich dieses Meisterwerk ca. jedem Menschen auf dem Planeten. Und wenn es nicht schon welche gibt, wünsche ich mir aus dieser Reihe noch mindestens 276 Bände. (und die Leseprobe gibt es HIER)

Also, alles in Allem fällt mir kein seriöses Fazit mehr ein. Diese Comics  werdet Ihr mir irgendwann aus meinen kalten, toten Fingern reißen müssen, ich geb’ die nicht mehr her.

Montag, 8. April 2013

zwei Perlen des US-amerikanischen autobiographischen Comics eingetroffen

In der vergangenen Woche erhielten wir eine neue Lieferung unseres US-amerikanischen Independent-Comic-Vertriebs, die neben vielen Nachlieferungen u.a. diese beiden bemerkenswerten Neuheiten enthielt:



Julia Wertz

The Infinite Wait and Other Stories


Koyama Press
ISBN 9780987963024 / 0987963023
228 Seiten / Paperback
14,95 Euro


Schon seit Jahren schätzen wir das Werk dieser US-amerikanischen Zeichnerin - nun endlich ist auch ihr neuestes Werk bei uns erhältlich:


"The main story in this book is about being diagnosed with systemic lupus in 2003, a story that I originally started almost 10 years ago and then put on the back burner while I went and made a buncha trouble in real life. When I was done with that racket, I revisited the story and decided to flesh it out and do a book.

By that time, I was working with a big publisher and I approached them and others with the idea, and was promptly told it was not mass marketable and that I should try doing something else more appealing.

I don’t think that satisfying creativity is made in the confines of “mass marketability” unless that’s already an avenue the creator has pursued or easily falls into and I had no interest in working like that, so I took my book idea to Annie Koyama of Koyama Press and she enthusiastically agreed to publish it.

I’m grateful for my time with a big publisher but I’m incredibly happy to be back with “my people” who’s work and passion (what a gross word, sorry) lay in comics, whether they’re a hit or not.

The publication of this book was done in the regular comics way (read, no money involved) until the book goes on sale. Although it’s not a lucrative way to make money on a project, it is satisfying to know I’m seeing money from what I sell, not from what people it suits think I might sell.

There’s been a lot of talk about how comics were briefly swept up into big publishing and are now going back to their roots with small/boutique presses, and I’m happy to say I’m one of them."






Das andere Buch ist der langerwartete Sammelband des Xeric-Award-Preisträgers 2006:


Aron Nels Steinke

Big Plans - The Collected Mini-Comics and More


Bridge City Comics
ISBN 0985934700 / 9780985934705
360 Seiten / Paperback
17,95 Euro

Laugh-out-loud funny, chilling, and meditative, Big Plans collects Aron Nels Steinke's most intimate and relatable stories: The entire five-issue run of Big Plans series (Big Plans #1 - #5) and stories from Papercutter #9, Nerd Burglar, Song-Zine and Runner Runner.

With a unique sense of timing, these are incredibly readable comics that are hard to put down. Stories ranging from fear of terrorism, alcoholism, and a shooting at the mall, to a behind the curtain's look at the Academy Awards, Big Plans stands out as one of the most compelling works to come out of the modern DIY movement.


Und viele weitere obskure & lesenswerte Titel sind ebenfalls mitgekommen:



Come and see!

Sonntag, 7. April 2013

UPDATE (1) : "DCs NEW 52": ...der sechsteilige TRINITY WAR startet im Juli!

...unbedingt "groß-geklickt" ansehen: DCs NEW 52-Massenprügelei
UPDATE (07.04.'13):

Die Juli- Titelbilder von Justice League # 22, Justice League Dark # 22 & Justice League Of America  #6 bilden nebeneinandergelegt ein Panoramabild der DC Teams im Kampf um "Pandora" (der Dame, die in jeder der 52 Erstausgaben der "NEW 52" einen Cameo- Auftritt hatte).

In "Flashpoint" # 5 sorgte "Pandora" offensichtlich dafür, das das frühere "gewohnte" DC Universe den Bach 'runterging; stattdessen dürfen sich Leser seitdem an Charactere gewöhnen, die zwar z.T. noch so (ähnlich) aussehen wie gewohnt, aber ein völlig verändertes "Drumherum" haben (Beispiele: "Superman", "Wonder Woman" usw.).

Die drei oben abgebildeten Hefte bilden den (seit DCs "Free Comic Book Day 2012" - Special) laaang angekündigten Start des "TRINITY WAR" (der, glaubt man einigen Hinweisen, zumindes teilweise auf einem alten, einst von Alan Moore für DC geschriebenen Konzept basiert).

 via USA TODAY haben DC COMICS gestern Details und Interview-Schnipsel mit den beteiligten Autoren und Künstlern veröffentlicht, zu lesen  HIER!!

Der TRINITY WAR wird somit offensichtlich keine eigenständige Mini-Serie, sondern läuft stattdessen (Geldbeutel-schonend) "nur" durch je 2 Ausgaben der drei "Justice League" Serien (s.o.) im Juli und August!


neue Videos mit/über deutsche Comiczeichner

Auf YouTube tauchten in dieser Woche zwei bemerkenswerte Videoclips über deutsche Comic-Zeichner auf. Der erste ist ein Beitrag in der Lokalzeit OWL (WDR) vom 3. April über die Auseinandersetzungen in Lemgo um den von Luisa Preißler geschaffenen und bei Weissblech veröffentlichten Comic Der Hexenrichter (in Horrorschocker #27), der demnächst verfilmt werden soll:



Das zweite Video ist ein digitalisiertes VHS-Band von ...
(auf Wunsch gelöscht - 30.4.2013)

Freitag, 5. April 2013

"Fabulous!": KEVIN KELLER - Archie Comics' erste schwule Comic Book Figur erhält eigenen Roman!


 "Kevin Keller", die erste offen schwule Figur in den Archie Comics, wird seit seinem Erst- Auftritt (2011) immer populärer.

Der Highschool- Absolvent aus dem Städtchen Riverdale (auch Heimat von Archie, Betty & Veronica) hatte nach seinen ersten Gast-Auftritten bereits eine eigene Mini-Serie, eine ebenso erfolgreiche "ongoing" Serie, Sammelbände ("Graphic Novel") usw.

Ab 18. April wird der US- Buch- Verlag  Penguin Books nun den ersten Roman -!- mit Kevin in der Titelrolle präsentieren.

Aus der Feder des erfolgreichen Comic Book- und Kinder-Buch- Autoren  Paul Kupperberg ("Superman", "Action Comics" u.v.a.), der bereits die Abenteuer des erwachsenen Kevin im großformatigen Comic-Magazin "Life With Archie" schildert (in dieser Magazin-Reihe durfte der erwachsene Kevin seinen Lebensgefährten ehelichen, was zu den in den mittelalterlichen USA üblichen Protesten und Boykott-Drohungen sogenannter "bibelfester Christen" und Mormonen führte...).

Die Geschichte des ersten Roman setzt vor seinem Comic-Erstauftritt ein und behandelt somit die Zeit, bevor Kevin mit seinen Eltern nach Riverdale zog,  sein Coming-Out vor Familie und Klassenkameraden, Hänseleien in der Schule, usw.

 

“Kevin was created to be a character who is gay, to illustrate the inclusiveness of the Riverdale-Archie belief system, [not just to be] controversial,” erzählt Autor Kupperberg dem Publishers Weekly.

“He’s there to reflect the reality of the world.” “Kevin is a character who is gay, not a gay character,” ergänzt Kupperberg “When you boil it down, it’s still an Archie comic, I didn’t even show them kissing. I’m not looking for controversy. I’m just telling a story.”

(via "The Advocate")

Die ARCHIE Comics (und KEVIN KELLERs eigene Serie, sowie das LIFE WITH ARCHIE Magazin gibt's regelmäßig bei uns im UNFUG!

Ergänzt: R.I.P. Carmine Infantino - Der legendäre Comic- Künstler und Herausgeber verstarb mit 87 Jahren



Der legendäre Comic-Künstler und Herausgeber Carmine Infantino ist verstorben; er wurde 87 Jahre alt.

Infantino wurde 1925 in Brooklyn geboren, seine Karriere als Zeichner begann bereits 1942, im sogenannten "Golden Age of Comics"; am bekanntesten war er jedoch für seine Arbeiten während des "Silver Age" (ab 1956):

in  DC Comics' "Showcase" #4 präsentierte er den Lesern, gemeinsam mit Autor Robert Kanigher (und mit Herausgeber- Legende Julius Schwartz!) den neuen "Flash" (also die "Barry Allen" - Version). Hiermit löste er einen riesigen Revival fast in Vergessenheit geratener Helden wie "Green Lantern", "Atom" und auch der "Justice Society" (dann als "League") aus  (was widerum ab 1961 zur Erfindung der "Marvel" Superhelden beim Konkurrenz-Verlag Timely führte).

 In den 60er Jahren widmete Infantino sich der moderneren Gestaltung der beiden "Batman"- Reihen "Batman" und "Detective Comics" (die zu diesem Zeitpunkt mangels Erfolg kurz vor ihrer Einstellung -!- standen).

Pic via CarmineInfantino.com
Sein "New Look" Batman kam fantastisch beim Leser an, die Auflagen stiegen wieder - "Batman" war gerettet. In den 60er Jahren war er aber auch Co-Creator von Figuren wie "Deadman" (gemeinsam mit Autor Arnold Drake) und Mit-Erfinder des "neuen" "Batgirl" (Barbara Gordon- Version; gemeinsam mit Autor Gardner Fox).

Ab Mitte der 60er Jahre avancierte Infantino zum Designer aller DC -Covers (nach seinen Vorgaben mußten die regulären Zeichner die Covers gestalten). Anschließend stieg er bei DC zum "Editorial Director" auf, heuerte Zeichner Dick Giordano an, und beförderte Joe Orlando, Joe Kubert sowie Mike Sekowsky zu Editors. Auch Neal Adams, Dennis O’Neil und Jack Kirby wurden unter Infantino von  DC eingestellt.

1971 wurde Infantino zum Herausgeber bei DC befördert; eine Position die bis 1976 inne hatte, als er von  Jenette Kahn abgelöst wurde. (In dieser Zeit war er auch maßgeblich involviert in den beiden ersten Zusammenarbeiten der Verlage DC und Marvel: "The Wizard Of Oz" und "Superman VS. The Amazing Spider-Man")

Ab Mitte der 70er Jahre arbeitete er für die Verlage  Warren, Marvel ("Star Wars", "Warlord Of Mars" u.a. ) sowie DC als Zeichner, bis er in den 90ern in den Ruhestand ging.



Erste  Stimmen zu seinem Ableben:

"His contributions to the comics industry and to DC Comics in particular are immense and impossible to quantify," so DC Entertainment Präsidentin Diane Nelson. "Our thoughts are with his family, friends and fans during this difficult time." 


"Carmine was a legend," DC Co-Publisher Jim Lee. "The number of classic covers he created are innumerable. His influence, reach and impact is humbling and will always live on."


"There are few people in this world that have had as much of an impact on the industry as Carmine," DC Co-Publisher Dan DiDio. "He bridged both the Golden and Silver Ages of comics... He will be greatly missed, but his legacy will remain forever."


"So sad to learn of the passing of another comic book legend," schreibt Zeichner George Perez via Facebook. "Carmine Infantino was one of the great influential artists in the history of the medium and I will always look upon his Adam Strange, Flash and Space Museum stories as wondrous examples of fantasy made even more magical at the hands of a master. RIP, Carmine."


ERGÄNZUNG: 
Der Künstler etwas ausführlicher hier...

Carmine Infantino in der GCD ("Grand Comic Book Data Base)

Carmine Infantino ausführlicher via Wikipedia_US

www.carmineinfantino.com/

Aber Žižek lebt

Lest, schaut, werdet irritiert von
Slavoj Žižek - Ein Sachcomic!

- ein Gastbeitrag von Torben K -


Žižek war mir nur vom Hörensagen bekannt. Dabei stets mit ausgesprochenen, oder unausgesprochenen Hinweisen gleich solchen: Ein Verrückter! Ein Kommunist! Ein populärer Philosoph der Gegenwart! Mir ist er auch durch Theaterstücke präsent, durch Bezüge auf ihn: Aufführungen, die auf Elfride Jelinek oder Joseph Beuys verweisen, beispielsweise von Christoph Schlingensief oder René Pollesch. Sicher, bereits während des Studiums tauchte Žižek immer wieder mal auf. In Aussagen, Diskussionen oder Andeutungen schien er oft geläufig, doch blieb er mir wage, unkonkret und oft Teil des Uni-Bluffs: dem Ausweis von 'Belesenheit' und eines Namedropping. Stets begegnete mir der Name bloß beiläufig, blieb hintergründig, irritierte mich zwar, verband ich ihn doch mit 'freigeistig' und 'kritisch' (im doppelten Sinne). Doch fand ich keinen ausreichenden Anlass, nein nahm ich mir keine Zeit zur Auseinandersetzung mit und Lektüre von dem Žižek.

Slavoj Žižek - Ein Sachcomic
von Christopher Kul-Want und Piero
TibiaPress · ISBN 978-3-935254-34-2
Paperback · 12,5 x 18 cm · 176 Seiten · 10 Euro
Und plötzlich, am Hauptbahnhof, in der Durchgangsbuchhandlung, zum Zugreifen, liegt es da - das Sachcomic.

Bekannt ist mir diese Reihe durch das Thema Ökonomie. Aufmerksam wurde ich auf das Infocomic dank der Illustration eines wissenschaftlichen Vortrags, welcher mithilfe von Zitaten dessen Bildsprache anschlussfähiger wurde. Graphic plus Content, seriös publiziert zum Zwecke der Verständlichkeit für die Lust am Lesen und Lernen - so die Idee des TibiaPress Verlags. Eine sympathische, mir willkommene Idee! Und nun – eigentlich schon seit 2012 – Slavoj Žižek von Christopher Kul-Want und Piero in der gleichen Reihe.



Welch' eine Einladung!

Žižeks Konterfei assoziiert mit Chaplin vor einem Filmstreifen. Das Cover - gestaltet von Edward Bettison. Frisch, poppig und kompakt!

Mein zweiter Gedanke: Der Slowene in der Auslage eingereiht mit Keynes und Shakespeare? Die sind tot, aber Slavoj Žižek lebt! Wie schreibt man solch eine Biographie vom lebendigen Pop-Philosophen?

Und die Danksagung des Autors befriedigt meine Neugier: Piero und Kul-Want wußten die "sehr intensive Unterstützung von Slavoj Žižek in den Frühphasen der Entstehung dieses Buches sehr zu schätzen." Gut, das ist Anreiz genug. Diese Einladung nehme ich an!



Slavoj Žižek - Ein Sachcomic · Seite 19 · ©TibiaPress



Žižek kurzweilig und interessant

In 175 kurzweiligen Seiten inklusive Literaturliste, Index, Quellenverweisen und weiteren Auskünften habt Ihr da ein spannendes, berichtendes, erklärendes und toll illustriertes Comic in Händen.

Durchgehend schwarz-weiss illustriert addiert Piero Zulesendes optisch. Wir sind optische Wesen und hier laden Piero und Kul-Want zu deren eigenen Kombination von Phantasie und Philosophie ein: Ein Spaziergang durchs Denken in Bildern von Slavoj Žižek. Ich musste erst nachsehen, ob die Illustrationen wirklich nicht bunt sind, so bunt ist es mir in Erinnerung.

Denn im Mitdenken, beim Lesen entstehen stets eigene Bilder. Und hier decken sich Pieros Angebote mit meinen, den eigenen Bildern im Kopf. Dies zumal Kul-Wants Aufbereitung Žižeks Philosophie verdeutlicht, wie wichtig Žižeks Denken mit Symbolen, Zusammenführungen von Zeichen, Bildern, Filmen, Ikonographien aus Film, Alltag, Werbung - kurz Text -, verknüpft ist.

Kul-Want und Piero zeigen Žižeks Denk-Welten nachvollziehbar. Deutlich wird, wie Žižek Symbole kritisch philosophierend nutzt - bspw. bei seinen Themen Politik, Hollywood-Filme oder Biogenetik.



Slavoj Žižek - Ein Sachcomic · Seite 115 · ©TibiaPress


Piero versteht sich gut in der Kunst des bildprachlichen Verdeutlichen: Er zeigt auf und irritiert! Mit seinen Kombinationen verschiedener Techniken, von Zeichnungen über Collagen hin zu Photos, öffnet er die Philosophie Žižeks und rahmt die Gedanken des Lesenden. Dies geschieht jedoch nicht in einer Übernahme oder Beschränkung der Phantasie durch das Angebotene. Mittels durchaus gewaltiger Bebilderung gibt Piero mir Gelegenheiten des Findens weiterer Ideen - gerade weil sich angebotene Bilder mit meinen Erinnerungen und Assoziationen decken und somit mit-gedacht werden können.

Gut gelingt es Kul-Want in Ausführungen zu Žižeks Biographie und Denken - zu Ideologie, Psychoanalyse, Ökologie oder antikapitalischem Kaufens - verständig, zugänglich, ja funktionierend bildspielerisch verzahnt, zu einem Mitdenken einzuladen. So stellt er bspw. Žižeks Verständnis von 'Wahrheit' als besonders heraus. Denn anders als andere 'heutige Philosophen' schreckt Žižek vor der Idee der Wahrheit nicht zurück - dabei lässt Piero den Philosophen in einer Sprechblase beim Akt der Demaskierung eines christlichen Würdenträgers zu Wort kommen: "Wahrheit ist für mich die Erkenntnisse der wirklichen Machtverhältnisse, die die Gesellschaft bestimmen, und der Ideologien, die verhindern, dass die Gesellschaft soziale und politische Freiheit verwirklicht." (S.17ff.)

Das Infocomic kombiniert plakative Bildelemente und Themensetzung mit Tiefsinnigkeit durch Bild-Metaphern und einfacher, erklärender Sprache. Es gelingt ein Verstehen, ein Nachvollziehen der philosophischen Denkangebote zu "Bedeutung und die symbolische Ordnung", "Vatermord" oder eine gegenwärtige gesellschaftliche "Ausschaltung des Risikos". Weiterdenken bietet sich hier geradezu spielerisch an. Dies ganz ohne Seriosität missen zu lassen. Das ist vielleicht eine Erklärung des gewählten Schwarz-weiß-Stils, der ganz sicher kein Indiz für einen bloßen Dualismus im Denken ist. (Vielleicht handelt es sich auch einfach nur um die Antwort auf die Druckkosten-Frage.)

Zum Ende wird jedoch das Präsentierte inhaltlich schwächer. Geradezu schnell erarbeitet wirken die letzten Seiten. Als 'noch kurz zu nennende Aspekte' wirken diese, als pflichtgetreue Aufzählung. Mehr inhaltlich Ausführungen zur "Unschärferelation" oder der "Digitalen Realität" täten dem Buch gut. Aber vielleicht ist dies dem Umstand geschuldet, dass alles mal fertig werden muss - eben auch ein Infocomic. Und es ist schließlich ein Buch zum Denken eines gegenwärtigen Philosophen! Vielleicht folgt Weiteres und mehr in einer Neuauflage des 2011 im Englischen vom Icon Books Ltd. erschienen Comics.

Kurz: Dieses Infocomic ist wie ein Türöffner. Es bereitet Lust zum Nach-Denken und Mehrerfahren von und über Slavoj Žižek. Ich bin im Bilde!


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Mehr als 1000 Dank für diesen Beitrag an Torben K


Und noch eine kleine Ergänzung zum gezeichneten Sachcomic in Form eines "Motion-Comics" des wunderbaren YouTube-Kanals von RSA Animate: "First as Tragedy, Then as Farce"


Slavoj Žižek - Ein Sachcomic · Seite 44 · ©TibiaPress