Samstag, 7. Juli 2018

ERGÄNZT (3) : Steve Ditko R.I.P. 1927 - 2018 ("In Search Of Steve Ditko")


Zeichner Legende Steve Ditko, der Co-Creator von Marvel's erstaunlichem "Spider-Man" und dem Meister der mystischen Mächte "Doctor Strange" ist im Alter von 90 Jahren verstorben.

Wie das New York Police Department mitteilte, wurde Ditko bereits am 29. Juni tot in seiner Wohnung in New York aufgefunden. Experten vermuten aber, das er bereits zwei Tage zuvor einem Herzinfarkt erlegen sein könnte.

 
Im Jahr 1961 übernahm Ditko die Aufgabe, die neue Figur  "Spider-Man" zu gestalten, nachdem Stan Lee mit den ersten Spidey-Entwürfen durch Jack "King" Kirby unzufrieden war.

Die komplette Optik von "Spider-Man" — Kostüm, inklusive der "web-shooter", das rot-blaue Design (welches anfangs eher schwarz-rot gedacht war) -  ist alles eine Erfindung von Ditko selbst; ebenso wie die Optik Peter Parkers und seiner supporting cast.

"Spider-Man" debütierte in "Amazing Fantasy" Nr. 15, der letzten Ausgabe dieser Reihe. Da sich dieses Heft aber ungewöhnlich gut verkaufte, erhielt Spidey ein halbes Jahr später seine eigene Heftreihe "The Amazing Spider-Man".

Ditko kreierte (unter Mitarbeit von Stan Lee)  auch die Schurken-Galerie (Doctor Octopus, Sandman, Lizard, Green Goblin...). Mit "The Amazing Spider-Man" # 25 konnte sich Ditko schließlich gegenüber Stan Lee durchsetzen und erhielt einen zusätzlichen Credit in jedem Heft als Co-Plotter, denn schließlich gab er bereits seit vielen Heften den Storyrahmen vor (während Lee irgendwann nur noch die bereits fertig gezeichneten Hefte mit Dialogen versah, wobei er hier natürlich der von Ditko vorgegeben Story folgen mußte).


Während seiner Arbeit am "Spider-Man" kreierte Ditko 1963 den surrealen Helden "Doctor Strange".

Diese Figur trat erstmals im Anthology-Titel "Strange Tales" # 110 in Erscheinung; Ditko arbeite hier an dieser Figur bis zur # 146 (Coverdate July 1966), und beendete zeitnah auch seine Arbeit an "Amazing Spider-Man" (letzte Ausgabe #38).

Ditko verließ Marvel Comics im Streit mit Stan Lee (einige Jahre später tat es ihm Jack Kirby gleich).

Die näheren Umstände des Bruchs zwischen Ditko und Lee wurden nie richtig aufgeklärt... Ditko wollte sich hierzu nie näher äußern; der Verdacht liegt aber nahe, das Ditko sich von Lee unfair behandelt fühlte im Bezug auf eine korrekte Benennung, wer von beiden eigentlich tatsächlich welche Charactere für Marvel erfunden hatte. Dazu der lang andauernde Streit über eine korrekte Nennung Ditkos als "Co-Plotter" in den Credits der von ihm gestalteten Hefte.

Der Selbstdarsteller Lee sah sich stets als "das Gesicht" von Marvel Comics, so das die talentierten Künstler wie Ditko (oder auch Jack Kirby u.a.) stets im Hintergrund blieben. Dem Branchenblatt "THR" zufolge, war Lee weit mehr an seiner "self-promotion" interessiert, als daran, auch den anderen an der Comic-Produktion Beteiligten die nötige Anerkennung zukommen zu lassen.


Steve Ditko in den 60ern; eins der wenigen Fotos die von ihm existieren
 
Ditko arbeitete schließlich für die Verlage Charlton, DC Comics und einige kleinere Comic- Herausgeber. So kreierte er für DC die Anti-Helden "The Creeper" und das Bruder-Team "Hawk & Dove" (der eine Reaktionär, der andere Pazifist). "Mr. A" wurde von Ditko 1967 erfunden. Diese Figur folgte einer bestimmten Art von Philosophie, von der Ditko überzeugter Anhänger war. Bekannt aber auch "The Question", dessen Abenteuer heute noch von DC publiziert werden (und der in der "Justice League Unlimited" Zeichentrick-Serie eine wichtige Rolle einnahm).


1979 kehrte er für ein Gastspiel zu Marvel zurück und arbeite für einige Ausgaben an den Serien  "Machine Man" sowie "Micronauts". In den 90er Jahren arbeite Ditko nur sehr sporadisch für Marvel (z.B. "Speedball"). Ebenfalls in den 70er Jahren gestaltete er einige Ausgaben der (damals extrem populären) DC- Heft-Serie "Legion Of Super-Heroes" und beteiligte sich mit einer ungewöhnlichen Splashpage des "Stählernen" am Jubiläumsheft "Superman" # 400 (1984).


Seine letzte für den Marvel Verlag erfundene Figur war "Squirrel Girl" (1992), die sich in den vergangenen Jahre plötzlich zu einer Art Kult-Figur entwickelte...


Der sehr verschlossene und zurückgezogen lebende Steve Ditko wurde Branchenintern gern als der  "J.D. Salinger der Comic Branche" beschrieben.

Ab den 70er Jahren gab er praktisch keine Interviews mehr, lies sich nicht mehr fotografieren.... und den Medien-Hype um die erfolgreichen Verfilmungen der von ihm (mit-) geschaffenen Charactere  saß er aus.


“We didn’t approach him. He’s like J.D. Salinger. He is private and has intentionally stayed out of the spotlight like J.D. Salinger," so der "Doctor Strange" Regisseur Scott Derrickson in einem 2016 geführten Interview mit "The Hollywood Reporter".

 

Bis zu seinem Tod besaß Ditko  sein eigenes Studio in Manhattan, wo er sich künstlerisch betätigte. Was mit dem von ihm in den letzten Jahren geschaffenen Material passieren wird ist nicht bekannt.



Stephen J. Ditko wurde am 2. November 1927 in Johnstown, Pennsylvania geboren. Sein Vater arbeitete in einer Stahlfabrik, seine Mutter war Haufrau. Ditko's Interesse an Comics wurde durch seinen Vater geweckt, der wohl "Prince Valiant" ("Prinz Eisenherz") liebte. Als Teenager las Ditko auch gerne "Batman"(von Bob Kane & Bill Finger)  sowie die Abenteuer von Will Eisner's "The Spirit".


Nach Abschluß der High School ging Ditko als Soldat in's Nachkriegs- (West-) Deutschland; dort zeichnete er für eine Militär-Zeitung ("Stars & Stripes").

1950 zog es ihn schließlich nach New York City, wo er unter "Batman" Zeichner Jerry Robinson ein Studium an der "Cartoonists and Illustrators School (später bekannt als "School of Visual Arts") aufnahm.

Ab 1953 arbeite Ditko dann erstmals als professioneller Comic Künstler, darunter auch im Studio der beiden "Captain America" Erfinder Joe Simon und Jack Kirby. Ditko überstand 1954 eine Tuberkulose und mußte für ein Jahr mit dem arbeiten aufhören...

Ab 1955 begann er regelmäßig für den auf billige Horror- und SF- Comics spezialisierten Verlag "Atlas Comics" zu arbeiten. Bei "Atlas Comics" (dem direkten Vorläufer von "Marvel Comics") traf er schließlich auch auf Stan Lee, und es begann eine über ein Jahrzehnt anhaltende Zusammenarbeit.



Ditko hinterläßt keine Familienangehörigen und war auch nie verheiratet.




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Stephen J. Ditko 

2. November 1927  -  29. Juni 2018
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aus der Feder von Holger Kreitling ("Die Welt")!
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ERGÄNZT (2):


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... und eine klitzekleine Steve Ditko - Cover - Gallery:
The Thing #12 (1954), das erste Ditko- Cover-Artwork

von Ditko gestaltetes 1. Spidey-Cover (verwendet wurde aber die J.Kirby Version)
deutsche Version von "Amazing Spider-Man" #1 (dt. als "Die Spinne" # 3)
 
Doc Strange & The Eternal ("Der Ewige")
Ditko's "Silver Age" BLUE BEETLE erschien bei Charlton, ab 1985 bei DC
"The Creeper" (wie auch "Hawk & Dove") von Ditko für DC kreiert

ERGÄNZT (1) :

Die sehenswerte BBC 4  
Video-Dokumentation von 2007
IN SEARCH OF STEVE DITKO



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