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Montag, 13. Februar 2023

passend zur Jahreszeit: 60 Lenze im Winter

Hier kommen mal wieder ein paar Zeilen zu einer Graphic Novel über alte Menschen. Mag ich persönlich ja immer ganz gern. Vielleicht auch, weil das Genre noch etwas unterrepräsentiert ist. Auch wenn die wenigsten ihrer Leser*innen selbst gerade ihren 60. Geburtstag feiern dürften.

Sechzigmal Frühling im Winter
(c) Splitter

Josy liest keine Comics, ist aber 60 geworden. Ihre Familie ist da, und will mit ihr feiern. Was sie jedoch nicht wissen: Josys Koffer ist bereits gepackt. Die eigens für sie gebackene Torte, schlumpfblau glasierte Torte wird sie nicht mehr kosten. 

Josy geht, sie verlässt ihren Mann und ihre Familie.

Erst im Laufe der Geschichte versteht man die hinter dieser Entscheidung liegenden Gründe – nicht zuletzt an dem nervig-übergriffigen Gebaren ihrer erwachsenen Kinder wird klar, das es an der Zeit war, einen solchen Schritt zu wagen. 

Josy steigt also in ihren alten VW-Bus und rollt los. In ihrem neuen Leben trifft sie Camelia, eine junge Frau mit einem Baby. Die beiden freunden sich schnell an und über Camelia wiederum hört sie vom BbÜ, dem Club der befreiten Übeltäterinnen – Damen mittleren Alters die allesamt ihre Männer verlassen haben. Sie wird herzlich aufgenommen.

Mit Christine, einer Schicksalsgenossin, versteht sich Josy von Anfang an bestens und die beiden treffen sich bald auch privat. Dort fängt es an, zwischen den beiden zu knistern – nach anfänglichem Zögern lässt sich Josy drauf ein und genießt ihr neues, unerwartetes Glück in vollen Zügen. 

Doch so leicht will es das Schicksal Josy nicht machen. Die Ereignisse überschlagen sich und sie beendet schweren Herzens ihre frische Beziehung. Und dann ... nimmt die Geschichte zwei sehr überraschende Wendungen, die hier aber nicht verraten werden sollen. 

Und beim Übersetzen? Erst mal alles schicki – dadurch, dass die Geschichte in der jetzt-Zeit angesiedelt ist und unter 'normalen Leuten' spielt, kommt ganz normale Alltagssprache zum Einsatz. Was ich jedoch herausfordernd fand, war Feinjustieren der Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Figuren. Das im Französischen gebräuchliche 'Hamburger Sie', also Vorname + Sie ist ja im Deutschen alles andere als gebräuchlich. 

Also galt es z. B. für Josy und ihre neue Nachbarin Camelia (die ich gern in Camilla umgetauft hätte) den richtigen Moment zu finden, wo sie von Nachname + Sie (was sie im Original nie verwenden) zum Du zu wechseln. Oder die auch Fremden gegenüber ausfällig werdenden Beschimpfungen der erwachsenen Kinder von Josy ... nicht ohne. Aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Und wünsche Josy auf ihrem Weg ihre zweite Lebenshälfte viel Glück. ;-)

Montag, 19. Dezember 2022

mal wieder ein Manga: He's expecting

Was wäre, wenn auch (cis-)Männer Kinder bekommen könnten? In diesem Manga erweist sich das Gedankenspiel deutlich interessanter als zunächst angenommen. Oder hat mich da die brave Covergestaltung mal wieder in die Irre geführt?

 
(c) Tokyopop

Kento Hiyama ist ein erfolgreicher Angestellter und Single, was ihm auch gerade ganz gut passt. Plötzlich stellt er fest: Er ist von einem seiner One-Night-Stands schwanger. Das ist erst einmal harter Tobak für ihn, kennt er doch nieman(n)den in seinem Umfeld, der allein ein Kind bekommen hat. Schnell steht für ihn fest, dass er abtreiben wird. 

Doch eine OP und die dafür erforderlichen Fehltage auf Arbeit sind gerade nicht drin... wie soll er sich entscheiden? Und wie wird sein Arbeitgeber überhaupt auf die Neuigkeit reagieren? Mit dem Fortschreiten seiner Schwangerschaft lernt er neue Leute kennen, die alle auf die eine oder andere Art mit einem ähnlichen Thema konfrontiert sind. 

Mizuki Kawabata bekommt auch ein Kind, allerdings von ihrem Freund, der sich jedoch nicht von seiner Frau trennen kann. Oder will? Auch sie muss sich mit dem Gedanken anfreunden, bald alleinerziehend zu sein. Tsubasa ist noch in der High School. Auf dem Schulweg bekommt er in der Bahn mit, wie seine Kumpels sich über den schwangeren Kento lustig machen. Was sie nicht wissen: Auch Tsubasa war schwanger, weil er beim Sex mit seiner Freundin Satomi nicht konsequent verhütet hat. 

Seine Eltern bestehen auf einer Abtreibung, die Beziehung der beiden Teenager wird danach nie wieder so sein wie davor. Einige weitere Charaktere lasse ich jetzt mal unter der Tastatur stecken, was ich mit Vorstehendem illustrieren wollte ist, dass Eri Sakai aus den Einzelschicksalen einen plausiblen Plot webt, dem man gern folgt. Besonderes Highlight ist für mich Aki Seto, Kentos One-Night-Stand. Die hätte vielleicht nichts gegen eine Beziehung mit Kento einzuwenden, aber Kinder stehen definitiv nicht auf ihrem Lebensplan. 

Nach dem ersten Schock (und der Erkenntnis, dass sie wie so viele Männer auf die Neuigkeit reagiert hat), stellt sie sich ihrer Verantwortung. Und siehe da – seit nicht nur Frauen schwanger werden können, beginnen sich die Dinge zu ändern, in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft. Auch wenn die Autorin die biologische Seite komplett unerklärt lässt, finde ich das Gedankenspiel sehr spannend und die möglichen Konsequenzen plausibel erzählt. 

Schade, dass der Manga erst zehn Jahre nach seinem Erscheinen in Japan hier bei uns angekommen ist!



Mittwoch, 7. Dezember 2022

selbstgemacht 3: Ladies With Guns

Schwupps, schon ist er da, der dritte Band in meinem Übersetzungsreigen. Nach Kindercomic und Steampunkfantasy jetzt also ein Western. Eigentlich so gar nicht mein Genre. Aber bei diesem so grundcoolen Ladies-Ding konnte ich einfach nicht widerstehen.

Ladies with Guns 1
(c) Splitter

Die Geschichte beginnt mit einem Käfig, in dem ein schwarzes Mädchen steckt – Abigail. Sie ist auf der Flucht. Als sie in einem Wald von Coyoten angefallen wird, kommt ihr eine weiße Frau zu Hilfe, die die hungrigen Tiere mit einem Schuss aus ihrem Gewehr vertreibt. Doch wie man den Käfig aufbekommt, weiß sie auch nicht. Enter: Chumani. 

Die Indigene ist ihr gefolgt, weil Kathleen ihren Bruder erschossen hat. Aus Mitleid mit Aby legt Chumani ihre Rachepläne erst mal auf Eis. Ggemeinsam finden die Frauen schnell etwas zu essen und zu trinken für das ausgezehrte Kind. Im Laufe der Geschichte gesellt sich noch Daisy McCormick, eine handfeste, pensionierte Lehrerin zu der Gruppe und Cassie Coltrane. Letztere ist mit der Kasse ihrer Bordell-Chefin durchgebrannt.

Also ein buntestgemischter Haufen – das Puma-Junge nicht zu vergessen, dessen Geschlecht noch unklar ist. (Mein Tipp: Es entpuppt sich in Band 2 als Weibchen. ;-)) Und obwohl nur einige der Damen eine Waffe haben, sind sie alle durchaus wehrhaft, wenn Not am Mann, ähh... Ihr wisst schon... ist. Das geht von Pfeil und Bogen über Kochtöpfe, Besen, Kronleuchter, ... selbst eine Stricknadel hat im fulminanten, sich über zehn Seiten erstreckenden Finale, ihren großen Auftritt. Aua.

Zum Schluss finden sich die Köpfe aller fünf auf WANTED-Postern. Das Ende des Bandes ist also nur eine Verschnaufspause – wir dürfen gespannt sein, wie es weiter geht. Also, ich bin es! Auch wenn mir manche der bewaffneten Auseinandersetzungen etwas zu krass sind, sind mir die Figuren und die hinter der Geschichte steckende Idee ans Herz gewachsen. 

Für die fünf SEHR verschiedenen Damen voneinander abweichende Sprechweisen zu finden, war eine duffte Herausforderung, der ich mich begeistert gestellt habe. Auch beim Soundword-Feuerwerk, das im Hintergrund der Bilder abfackelt, war ich kreativ. Leider sind die meisten meiner Vorschläge aber nicht durchgegangen – da sind Änderungen dann doch zu aufwändig, weil mit einem Eingriff in die Grafik verbunden. Frau kann halt nicht alles haben.


Mittwoch, 26. Oktober 2022

selbstgemacht 2: Darryl Openworld

Darryl kann was. Nämlich schreiben. Und von unserer, der Grey World, in die White World überwechseln. Dazu muss er die Glyphen finden, magische Portale, die an bestimmten Orten erscheinen und die nur ganz, ganz wenige Menschen sehen können.

Darryl Openworld 
(c) Splitter

Die White World, auch Openworld genannt, ist nicht wie unsere. Zunächst einmal gibt es in ihr magische Wesen und man reist auf Monorails oder mit Zeppelinen durch die Gegend. Der beste Freund und Helfer des jungen Journalysten (jaja, richtig gelesen, in der White World wird so einiges mit y buchstabiert) ist ein gülden gefiederter Adler, der mit seinen Kamera-Augen Fotos machen kann. 

Alles schön plüschig in dieser Welt, ein wenig viktorianisch, kurz: Steampunk meets ... nee, nicht wirklich Harry Potter. Denn auch wenn Darryl Waise ist, ist er kein Zauberlehrling. Aber es gibt sehr wohl Wesen in der Openworld, die zaubern können. Darryls magic wand hingegen ist sein Stift, mit dem er sich seine investigativen Erkenntnisse notiert, um daraus dann später meysterhaft seine Artykel zu verfassen. 

Und noch eine besondere Fähigkeit hat er – er kann Geister sehen. Denn Dean, sein bester Freund, fristet sein spektrales Dasein zwischen den beiden Welten, seit er als Teenager unter ungeklärten Umständen starb. Julianne, die dritte Hauptfigur im Bunde, ist mit beiden befreundet. Vielleicht mit Darryl etwas mehr als mit Dean... aber das steht auf einem anderen Blatt. Auf jeden Fall hat sie herausgefunden, wie man Dean unter die Lebenden zurückholen kann. 

Sie ruft ihn zu sich, um ihm die exorbitant guten Neuigkeiten mitzuteilen. Das Unterfangen ist nicht ganz ungefährlich, also zögert Dean zunächst. Aber er ist schon lange in Julianne verliebt und würde ALLES dafür geben, sie mal richtig berühren zu können. Da scheint es schon gar nicht mehr sooo abwegig, seinen Bestie dafür hinter's Licht zu führen. Und das aufs Opulenteste bebilderte Abenteuer beginnt ... 


(c) Splitter

Nach dem Club der drei Schwestern eine Graphic Novel für (junge und echte) Erwachsene zu übersetzen, war SUPER – damit wurde aus der Frage "Würde eine Zwölfjährige sowas sagen?" eher ein "Wie redet denn bitte ein Farfadon, pardon, Farfalon?". Ein paar der Namen habe ich angepasst – neben dem besagten Feenwesen wurde auch aus Croqueruche Crockhive oder aus den Nocturleurs Nocturlen.

Mich dabei etwas am Englischen zu orientieren fand ich nur schlüssig, da der Grey-World-Teil der Geschichte in Nordamerika angesiedelt ist. Jetzt würde ich natürlich gern wissen, wie das englische Übersetzy das gelöst hat. Nur für "Openworld" (im Original Ouvremonde und zugleich Darryls Nachname), kam ich zu spät, das war schon gesetzt. Schade, wie ich finde. Denn der tire-bouchon ist ja auch nicht der zieh-Korken, sondern der ... ? Und der ouvre-boîte macht die Dose nicht zu, sondern ... ?

Richtig. Obwohl Weltöffner sicher NICHT die Entsprechung der Wahl gewesen wäre. Aber genau diese Tüftelaufgaben finde ich ungemein reizvoll. Und neben der Namensfindung war auch die komplexe Story eine schöne Herausforderung. Teil der Übersetzungsaufgabe ist da ja erst einmal zu verstehen, was Phase ist. Und es dann nicht wieder gleich zu verraten. Sondern schön dosiert, wie das Original. Dabei hilfreich war auch ein Blick in die Romanvorlage. 

Denn die Graphic-Novel Darryl Ouvremonde ist das Spin-Off zu einem von Olivier Péru geschriebenen Jugendbuch. 2017 ist der Wälzer in Frankreich erschienen und erstaunlicherweise bis heute (noch?) nicht ins Deutsche übersetzt. Denn das gute Stück ist schon ein Kracher. Olivier Péru maacht da eine hochkomplexe Welt auf, ziemlich düster und mystisch und gruselig ... das sollte sich doch eigentlich auch gut bei deutschen Teenies verkaufen?




Freitag, 21. Oktober 2022

luschtig! Boris, Babette und lauter Skelette

Neulich hat Cheffe mal wieder was lustiges von sich gegeben. "Der is' mir viel zu inklusiv!" Und zwar nach einem Blick in eben dieses Buch.

 
(c) Kibitz

Hihi. Grund genug, mal einen genaueren Blick reinzuwerfen. Und siehe da: Boris ist ein ganz normaler Junge. Mit einer Mama und einem Papa. Boris' Mama ist ständig am Arbeiten – entweder am Laptop oder am Telefon – und hört dann gar nicht richtig zu, wenn Boris was sagt. Und Boris' Papa putzt und kocht wie ein Weltmeister. 

So weit, so sympathisch. Dann wohnt bei Boris im Haus noch Lynette, ein älteres Mädchen, das ihm eines schönen Tages ihr Haustier aufschwatzt. Das ist quietschegelb, eine undefinierbare Mischung aus Katze und Waschbär und – kann sprechen. Einziges Problem: Boris Eltern sind total gegen Haustiere. 

Da Boris das weiß, hält er Babette (so heißt das gelbe Etwas) geheim. Was aber natürlich nicht lange gut geht. Und dann ist erst mal ein Riesenärger angesagt. Dass Babette nicht haart und super pflegeleicht ist, zählt leider kein Stück. Auch nicht, dass sie sprechen kann und gern fernsieht. Boris' Eltern bleiben hart. Das Tier muss weg. 

Wie es mit Babette und Boris weitergeht, verrate ich jetzt mal nicht. Auf jeden Fall fand ich schön, dass es zum Schluss der Geschichte ein echtes Happy End gibt! Und das ist unerwarteterweise Boris' Papa zu verdanken. Der Comic ist witzig, die Geschichte hat Tempo und man fiebert zum Ende richtig mit, dass sich für Babette doch irgendeine Lösung findet.

Und die ist ECHT knuffig mit ihrer Vorliebe für Flips, ihrer charmanten S-Schwäche (einfach mal beim Lesen laut mitsprechen!) und ihrem Bedürfnis nach Grusel. Ohne wird sie nämlich völlig traurig und lustlos, wie Boris bald feststellen muss. Leider gibt's auf Planet Boris keine Zombie-Mangas. Ob er wenigstens Ariol liest? Wer den mag, wird die Geschichte Boris auch mögen.

Wer also noch auf der Suche nach einem Halloween-Geschenk ist – hier ist es.

P.S.: Babette haart doch. Und nicht wenig.

Mittwoch, 14. September 2022

aus dem Leben erzählt Teil 2: Meine bösen Töchter

Vor ein paar Wochen hatte ich hier ja schon Zelbas "Im selben Boot" besprochen. In dem erzählt sie autobiografisch aus ihrer Essener (Ruder-)Jugend um die Wendezeit. Nun hat mir ein Freund das Nachfolgewerk "Mes mauvaises filles" aus Frankreich mitgebracht.

(c) Zelba / Futuropolis 

Ich bin Feuer und Flamme. Denn darin geht es nicht nur um Sterbehilfe. Es ist auch ein sehr gut erzähltes Stück (bitteren) Lebens. Zelba verarbeitet in dieser Graphic Novel Krankheit und Tod ihrer Mutter Bri. 

Die Geschichte setzt drei Monate nach der Beerdigung ein. Der Vater der Endzwanzigerinnen Liv und Ylva heiratet wieder. Er und Bri waren schon länger getrennt, insofern ist dies keine wirkliche Überraschung. Dennoch hadern beide Töchter damit. Als Stimme aus dem Off führt die verstorbene Bri mit launigen Kommentaren in die Szenerie ein. 

Sie stellt die Hauptcharaktere vor und innerhalb von zehn Seiten steht das Setting. Hier finde ich super, dass Bris warmherziger (bisweilen makaberer) Humor schon voll zur Geltung kommt. Wie zum Beispiel im Rückblick auf diese Episode ihrer letzten Monate: Ihr Hämatologe hat eine gute und eine schlechte Nachricht für sie.

 
(c) Zelba / Futuropolis

Die schlechte lautet, dass sie sich bei einer Bluttransfusion mit Hepatitis C angesteckt hat. Die gute? Der Zustand ihrer Lungen ist schon so bedenklich, dass ihr nicht mehr genug Zeit bleibt, an einer Leberzirrhose zu sterben. "Freut mich zu hören!" ist der lakonisch-verschmitzte Kommentar von Bri. Wow... Dabei muss man wissen, dass sie bereits Zeit ihres Lebens Lungenprobleme hatte. 

Während ihre Töchter aufwuchsen, musste sie deswegen wiederholt längere Zeit ins Krankenhaus, so dass Liv und Ylva dieses nebst dem Personal seit ihrer Kindheit gut kennen. Im Teenageralter sitzen sie einmal mit ihrer Mutter in einem Café. An ihnen läuft ein Mann vorbei, dessen Atmung durch eine mitgeführte Sauerstoffflasche unterstützt wird. 

Bri schwört ihre Töchter darauf ein, dass dies für sie kein lebenswertes Leben darstellt. Sie will das ihre frei und in vollen Zügen genießen können. Ohne ständig an ihre Krankheit erinnert zu werden. Sollte es so weit kommen, wünscht sie keine lebenverlängernden Maßnahmen. Insofern liegen die Karten auf dem Tisch, als gut 15 Jahre später der Ernstfall eintritt. 

Bri kommt in einem kritischen Zustand ins Krankenhaus und es ist klar, dass sie dieses nicht mehr lebend verlassen wird. Liv, die ältere Tochter, ist vor Ort. Die Jüngere, Ylva, lebt in Frankreich, macht sich aber umgehend auf den Weg. Sie ist hochschwanger. Erzählt wird der letzte Abend, die letzte Nacht, die die beiden Schwestern mit ihrer Mutter verbringen. Und der folgende Tag, an dem Bri aus dem Leben scheidet.

Das ist keine leichte Kost – auch wenn es sehr leicht und stellenweise sogar amüsant daherkommt. Die Geschichte entwickelt einen tollen Sog. Und die Figuren wachsen einem sehr ans Herz. Ich habe die Graphic Novel jetzt schon zwei Mal gelesen, ohne sie zwischendrin wegpacken zu können. Und ich wüsste zu gern, welcher Teil der Erzählung Fiktion ist und welcher nicht. 

Sehr interessant ist auch das kurze Making-Of am Ende der Geschichte. Darin erzählt Zelba von dem langen Weg, den diese Geschichte nehmen musste, bevor sie so erzählt werden konnte. Wo einem schlussendlich ein wenig die Luft wegbleibt (pun intended), ist beim Foto von Bri, das dem Leser auf einer der letzten Seiten entgegenlächelt.

Es wäre toll, wenn "Mes mauvaises filles" ins Deutsche übersetzt würde. Nicht zuletzt, um der Debatte zum Thema Sterbehilfe einen weitere Stimme hinzuzufügen – und das in einem bislang noch nicht dafür genutzten Medium. Interessierte Verlage, bitte bei mir melden!

Montag, 12. September 2022

chillig ohne Ende: Everyday Escape

Mangaka ist ein stressiger Beruf. Niemand weiß das besser als die Protagonistin dieses Mangas. 

 
(c) MangaCult

Während sie arbeitet, hängt ihre beste Freundin bei ihr ab. Sie ist arbeitslos und beherrscht die Kunst des Müßiggangs p-e-r-f-e-k-t. Also ist sie prädestiniert dafür, der Mangaka ab und an auf die Sprünge zu helfen, wenn bei der mal wieder die Sicherungen durchbrennen. 

Doch Müßi hält ihre Besti nicht nur vom Durchdrehen ab. Sie verschafft ihr auch neue Kreativitätsschübe. Zum Beispiel, indem sie ihr gleich in der ersten Episode zwei internetfreie Tage verordnet. Mit einem, wie ich finde, genialen Kniff: Sie steckt einfach Handy und LAN-Kabel der Mangaka in einen frankierten und adressierten Umschlag. Und den dann in den Briefkasten. 

"Um vor der Realität zu fliehen, ist Verzicht essentiell.
Dir darf nichts anderes übrig bleiben als zu chillen."

Weise Worte. Ommmm. Nur hat das entspannte Lümmelleben zwischen Spielkonsole, Bingewatching und Nickerchen am Nachmittag einen Nachteil – chronischer Geldmangel. Aber mit ein wenig Geschick motiviert Müßi einfach ihre Besti dazu, sich an ihrer statt die erträumten Dinge zu leisten. Als Belohnung für den erreichten Abgabetermin. ;-) 

Die zwei passen einfach zusammen. Egal, ob sie zusammen verreisen, Party machen oder das Kinderzimmer der Mangaka ausräumen. Und das Beste? Wie so oft die Metaebene – das Lesen von Everyday Escape ist auch eine kleine Realitätsflucht.

Mittwoch, 7. September 2022

merken Sie Sich dieses Gesicht! .... Äh, oder dieses!: Mixed-up First Love

Shojo-Liebesgeschichten, die in der Oberstufe spielen, gehen auch anders. Wenn dies denn überhaupt ein Shojo-Manga ist. Erzählt wird er nämlich aus der Perspektive von Aoki, einem leicht verpeilten Elftklässler.


(c) Egmont (nachfolgende ebenso)

Aoki ist ein fröhlicher Trottel. Das Herz auf dem rechten Fleck, immer geradeheraus und direkt zur Sache. Und er hat einen Crush – seine Sitznachbarin Hashimoto. Durch einen Zufall bekommt er mit, dass sie heimlich in Ida verliebt ist. Groß, gutaussehend, gewissenhaft hat der alles, was Aoki nicht hat. 

Als Hashimotos Geheimnis aufzufliegen droht, will Aoki sie davor schützen. Er greift zur einzigen plausiblen Erklärung: Er macht Ida ein Liebesgeständnis. Der ihn (wie erhofft) auch abblitzen lässt. Doch damit fängt die Geschichte erst an. Ida ist bestürzt, so wenig von Aoki zu wissen. Bei dem Versuch, ihn besser kennenzulernen, freunden sie beiden sich an und ... Aoki bekommt immer öfter Herzklopfen in Idas Nähe. 

Den Rest spoilere ich jetzt mal nicht. Nur so viel: Der erste Band endet mit einem grandiosen Twist. Band zwei ist sich also meiner Vorfreude gewiss. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die grandiosen Gesichtsentgleisungen Aokis. Eine kleine Auswahl nachstehend:

Verdammt lecker!

 

Grenzenlose Überraschung:

 

Aufkommende Panik:

 

Erschrecken über eigene Verpeiltheit:

 

Ungläubig bis zum Get-no:

 

Zuallertiefst gerührt:

Wie genial – vor allem, der Kniff, ihm seinen Gesichtsausdruck einfach auf den Hinterkopf zu pinnen! Hach. Wenn ich groß bin, will ich auch so Gesichtsakrobatik können. Ich übe schon mal los.

Montag, 5. September 2022

selbstgemacht: Club der drei Schwestern

Wie viele von Euch wissen, führt der Unfug nicht nur Comics für Erwachsene. Nein nein, bei uns kommen auch Menschen U18 auf ihre Kosten! Von einer unserer exorbitant gut laufenden (weil gut seienden) Reihen ist kürzlich Band drei rausgekommen. Lucilles Schatz.


(c) SPLITTER Verlag

Lag im ersten Band noch der Fokus des Plots auf der ältesten Schwester Sarah, ging es in der Folgegeschichte um Kassiopeia. Nun ist die jüngste im Schwesternbunde an der Reihe – Lucille. Sie ist die verschrobenste der drei, introvertiert und macht viele Dinge mit sich selbst aus. Lucille steht selten im Mittelpunkt, hat aber ein großes Herz und viel Gespür für Tiere. 

In diesem Band verbringt sie mit ihren Schwestern die Herbstferien in einem Camp am Atlantik. Richtige Begeisterung kommt dabei aber nicht auf. Es ist kalt und regnerisch, das Programm öde und die anderen Kinder nerven. Doch bald entdecken die Schwestern, dass eine ihrer Verwandten ganz in der Nähe gelebt hat. Um diese Ludivine und um einen plötzlich gestrandeten Wal entspannt sich dann der neue Fall der Hobbydetektivinnen. Doch ein Streit zwischen den dreien erschwert die Ermittlungsarbeien ungemein ...

Was ich an den drei Schwestern sehr mag ist, dass man auch als erfahrener Comic-Leser ziemlich lange im Dunkeln tappt. Der Comic ist höchst augenschmeichelnd gezeichnet und koloriert – für mich auch ein Plus. Die knuffigen Gesichter mit den großen Manga-Augen sind vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber die Zielgruppe dürfte drauf anspringen. Andere Leser (wie z. B. drei Herren in meinem näheren Bekanntenkreis) sehen geflissentlich beim Lesen darüber hinweg.

So wie schon die ersten beiden Geschichten kommt auch Nummer drei zunächst ziemlich mystisch daher. Und auch hier findet sich dann eine (Mini-Spoiler) recht alltägliche Erklärung. Die aber nicht banal ist. Diesem Muster bleibt auch der dritte Band treu, ist aber durch das Setting und die neue Protagonistin eben doch anders. 

Und noch etwas weicht von den vorherigen Bänden ab – denn bei diesem habe ... Trommelwirbel ... ich die Übersetzung gemacht. Yeay!!! Mein Comic-Übersetzungsdebut hat mir viel Spaß gemacht. Und zwei lustige Details aus der Übersetzerwerkstatt hätte ich auch zum Besten zu geben:

Der Knoten, den Sarah und Kassiopeia auf Seite 6 lernen, war im Französischen nicht korrekt bezeichnet. Da ich nicht die Knotenexpertin bin, musste ich ein wenig recherchieren, bis ich den richtigen Knoten gefunden habe. Da isser:


(c) Gebruiker:Sawims

Leider scheint die deutsche Redaktion nicht glücklich mit dem Namen Altweiberknoten gewesen zu sein. Und benannte ihn in Kreuzknoten um. Hoffentlich führt das in Zukunft nicht beim Lesepublikum zu Verwirrung. Falls sie mal ihren Segelschein machen wollen ... ;-)

Dafür habe ich eine andere Sache durchbekommen. Denn Kassiopeia reimt! An drei Stellen der Geschichte sagt sie im Französischen augenscheinlich banale Sätze, die aber einige Worte mit gleichklingenden Endungen in sich haben. Die zwei Sätze, an denen ich auch im Deutschen geschafft habe, einen Reim zu zaubern, lasse ich Euch selbst finden. 

Beim dritten wollte es mir partout nicht gelingen und ich habe dann halt einen kleinen Zungenbrecher draus gemacht. Schlagzeile: Mädchen von morschem Steg zerquetscht! Probiert ihn gern mal aus.

Mittwoch, 10. August 2022

einfach – nee, auch doppelt! – gut: Blue Spring Ride

Schade eigentlich, dass es keinen Sinn macht, sich einen Manga, den man schon hat, noch mal zu kaufen. Würde es das, stände dieser hier ganz oben auf der Liste:

Blue Spring Ride 2in1 01
(c) Tokyopop

Blue Spring Ride von Io Sakisaka. Haaaah... der ist so großartig. Warum? Erst einmal Futaba. Mit dem Wechsel in die High School will sie einen Neuanfang wagen. Denn im letzten Jahr der Mittelschule hat ihr gutes Aussehen und freundliches Wesen dazu geführt, dass sie bei den Jungs immer beliebter wurde. Das führte im Gegenzug aber dazu, dass sie bei den Mädchen unten durch war.

In der neuen Schule will sie nun unbedingt ein ähnliches Schicksal vermeiden und gibt sich daher übertrieben burschikos. Damit die Jungs sie nicht wieder für Freundinnen-Material halten. Dieser Plan geht zunächst auf, denn Futaba gelingt es, sich mit einigen Mädchen anzufreunden. Dann aber geht er nach hinten los, als ihr plötzlich Kou gegenübersteht. Der Klassenkamerad ihrer ersten Mittelschuljahre zog weg. Gerade, als die beiden sich etwas näher kamen. 

Für Kou schlägt ihr Herz immer noch – allerdings für den von früher. Und der schien mal das gleiche für sie zu empfinden. Doch der jetzige Kou hat einen anderen Nachnamen und gar nichts mehr von dem netten Jungen von damals. Wie genau es dazu kam, wird nach und nach offengelegt. Futaba und Kou werden auch wieder so etwas wie Freunde, aber so richtig schlau wird sie nicht aus ihm.

Was ich an diesem Manga so mag, sind (neben Futaba und Kou selbst natürlich) die Momente, in denen sie sich näherkommen. Obwohl nichts wirklich passiert, schlagen da die Funken! Keine Ahnung, wie Io Sakisaka das macht, aber da gibt's beim Lesen echt Gänsehaut und man möchte einem von den beiden den entscheidenden Schubser verpassen, der die Sache besiegelt. Aber Geduld ist ja eine Tugend...

Wer noch nicht weiß, ob die beiden schlussendlich zusammenkommen, dem sei Blue Spring Ride hiermit ans Herz gelegt.

Donnerstag, 4. August 2022

anatomischer Wunderpunk: Teleportation Inc. (und Switch me on!)

Ich habe ja ein kleines Faible für Steampunk. Und fürs Übersetzen. Und für den Film Lost in Translation. Alles gute Gründe, sich Teleportation Inc. mal etwas genauer anzusehen. Oder?

Teleportation Inc.
(c) SPLITTER Verlag

Lubia Thorel ist Agentin der GTC, auch Galactic Teleportation Company, universumgrößter Dienstleister für ebenjene Fortbewegungsmethode. Ab und an geht ein teleportiertes Schäfchen verloren und dann kommt Lubia ins Spiel: Sie macht sie ausfindig und übergibt die (meist delinquenten) Problembären an die Behörden. 

Ein von ihrer Firma entsandter Revisor heftet sich an ihre Fersen und über kurz oder lang werden die beiden zu einem Team. Der nächste Auftrag entpuppt sich jedoch als besonders vertrackt und die beiden hangeln sich von einer heiklen Situation zur nächsten. Wer oder was hinter dem Ganzen steckt, ist dabei lange unklar – darüber wird das Lesepublikum genauso erfreulich lange im Dunkeln gelassen wie die Hauptfiguren.

Was aber offenkundig auf der Hand liegt, ist Lubia monströse Oberweite – das Cover gibt schon einen kleinen Vorgeschmack. Dagegen war Lara Croft ein B.r.e.t.t. Aber vielleicht liegt ja auch genau darin auch Lubias Effizienz? Keine Ahnung, was die Herren der Schöpfung da zu verarbeiten hatten... 

Aber immerhin gibt es einen Ausgleich, denn auch der Revisor wurde mit einem besonderen Körperbau bedacht. Bei einer Teleportation hat er nämlich durch einen Fehler im System eine Extremität dazugewonnen. Und diese hat er noch nicht so recht ... im Griff. So hat halt jede*r deren Probleme. Obwohl Lubia bei ihren Extremitäten nicht über Kontrollverlust zu klagen hat. Muahaha und hehehe. Mehr verrate ich aber jetzt nicht. 

Grundsätzlich ist die Geschichte solide erzählt, actionreich und vielschichtig, so dass der Lesespaß nicht zu kurz kommt. Und – kleiner Bonus – bei der Nachbesprechung des Ganzen mit Cheffe hier, ist wieder ein anderes Hupengate eingefallen, über das ich letztens beim Lesen gestolpert bin. Ich hatte schon mit einem Blogeintrag dazu geliebäugelt, das dann aber doch wieder verworfen.

Also wechseln wir kurz die Szenerie und ... beamen uns ins Japan der Jetztzeit. 

Koyori ist die Protagonistin von Switch me on!. 


(c) Egmont (nachfolgende ebenso)

Im bekleideten Zustand scheint es sich um eine sehr durchschnittliche junge Frau zu handeln. Bzw. wird wie eine solche gezeichnet:


Alles ganz normal, oder? Wenn sie jedoch mit ihrem Sandkastenfreund Hijiri im Bett landet, dann passieren auf einmal wahre Wunder:

Was ist das da links unten? Eine Aubergine? Ein mit Wasser gefüllter Ballon?? Oder gehört das zu Hijiri??? Das Phänomen dieser wundersamen Verwandlung habe ich durch den ganzen Manga hinweg beäugt, konnte dem Geheimnis aber nicht auf die Spur kommen. Ob da der Redakteur seine Hand im Spiel hatte? Pun intended.

Sachdienliche Hinweise zur Lösung des Rätsels werden gern entgegengenommen.

Oh, und (Klugscheiß-Alarm!) wer sich nach dem Lesen noch wundert, warum der Untertitel von Teleportation Inc. – Lost in Translation heißt ... im Deutschen und Englischen funktioniert leider die zweite Facette des französischen Wortspiels nicht so ganz. Da bedeutet translation nämlich nicht übersetzen (traduction), sondern Transport. Nur – ob der Untertitel Lost in Trans... portation es vermocht hätte, an den Film zu erinnern?

Freitag, 29. Juli 2022

heißer Sommer: Freibad

 Ok. Die Suche ist vorbei. Hier ist er, der perfekte Comic zum Wetter. 

Fotogalerie

(c) JaJa Verlag

Einige Tage sind ja immer etwas ruhiger hier im Unfug, also bleibt auch Zeit, um die Neuheiten eingehender zu studieren. Passend zur Großwetterlage habe ich mir mal den neuen Stulin geschnappt. Ihr "Bei mir Zuhause" hatte ich bereits vor ein paar Wochen durchgeschmökert und fand ihren Stil ... interessant. 

Genauso wenig konnte ich mich entscheiden, ob ich die leicht auf Krawall gebürstete Heldin Paulina mag oder nicht. Also kam mir ihr neues Werk sehr gelegen. Nicht zuletzt, weil ich jetzt genau da gern wäre: im Freibad. Dieses hier heißt Melusine, befindet sich in München und ist nur für Frauen. Uff, Glück gehabt – ich darf also rein.

Wer jetzt denkt, dass hier nix als holde Eintracht herrscht, liegt meilenweit daneben. Denn hier treffen sie alle aufeinander: Feministisch bewegte Alt-68erinnen mit und ohne Geld, ein deutsch-türkischer Mehrgenerationenclan, eine in ihre Kommilitonin verliebte Studentin ... mal von der Pumperin am Ticketschalter, der genervten Schweizer Bademeisterin und der Transfrau an der Pommesluke mal ganz abgesehen. 

Und dann kommt noch der Clan komplettverschleierter Saudifrauen, der alles nochmal kräftig durcheinanderwirbelt. Ganz klares Thema: Wer darf was? Was ist der größere Affront: im Burkini ins Becken zu gehen oder oben ohne? Und welche Frau bestimmt tatsächlich über ihren Körper? Die Sich-schlank-Hungernde? Die Dicke (und das ist wertfrei gemeint!) im pinken Bikini? Oder die Freiwillig-und-gegen-den-Willen-ihrer-Mutter-Kopftuch-Tragende? Und – dürfen auch Männer mermaiden?

Im Rundumschlag wird all das pointiert zur Debatte gestellt. Und durch die böse Zuspitzung ist das echt ein großer Lesespaß. Wem die ölmalerische Optik von Paulina Stulin nicht zusagt, der kann sich ja im September den gleichnamigen Film im Kino ansehen.

Freitag, 15. Juli 2022

aus dem Leben erzählt: Im selben Boot

Es war mal wieder etwas weniger los im Laden – also eine gute Gelegenheit, die Nase in einen Comic zu stecken. Aus einem nicht näher erklärbaren Grund ist es dann "Im selben Boot" geworden – vielleicht, weil es schon länger schräg ggü. von der Kasse hängt. Im deutschen Eck.

 

Titelabbildung
(c) Schreiber & Leser

Ende der 1980er. Essen. Die Teenager-Schwestern Britta und Wiebke (a.k.a die Autorin Zelba selbst) sind Ruderinnen und verbringen den Großteil ihrer Freizeit auf dem Wasser. Soviel zum Setting. Die Geschichte, die dann folgt, beschreibt den Weg Wiebkes in das deutsch-deutsche Nationalteam, das bei der WM von 1991 fast alle Goldmedaillen abgeräumt hat. 

Ob Wiebke auch eine bekommt, spoilere ich jetzt mal nicht. ;-) Daneben geht es – wie im Leben jedes Teenagers – um Freundschaft, Schule, Liebe, Familie usw. Die chronologisch aufgebaute Geschichte wird ab und an von Fakten-Seiten unterbrocken. Darauf werden dann locker-fluffig die Basics des Ruderns erklärt, aber auch ein wenig politisches Hintergrundwissen aufgefrischt. 

Das ist super, weil so auch nicht-Zeitzeugen diesen Comic besser verstehen. Obwohl ich nicht finde, dass da viel nicht-zu-verstehen ist. Aber ich bin da auch voreingenommen, denn da steckt ganz viel von meiner Jugend drin. Und dementsprechend viel Spaß hatte ich auch beim Lesen. 

Der Blick auf's Impressum führte dann zu einer interessenten Entdeckung: "Im selben Boot" ist ursprünglich auf französisch erschienen. Damit machten dann auch die historischen Ost-West-Erklärseiten noch ein wenig mehr sind. Die sind aber so witzig und informativ gestaltet, dass man sich da auch als Dabeigewesene/r nicht langweilt. 

Auf der Webseite von futuropolis, bei dem "Dans le même bateau" erschienen ist, erfuhr ich dann auch vom Folgecomic Zelbas – in diesem berichtet sie von den letzten Jahren ihrer chronisch lungenkranken Mutter. Und von der Sterbehilfe, die sie und ihre Schwester dieser geleistet haben. Wow. Was für ein kontroverses Thema. Ob sich dafür ein Verlag in Deutschland findet? Ich hoffe, ja. Und bald.

Montag, 11. Juli 2022

kaum zu glauben, aber gut: Not a Boy

Ein Hoch auf das Leseexempar! Obwohl – Not a Boy hätte ich mir wahrscheinlich auch so mal näher angeguckt. Denn Cross-Dressing-Mangas mag ich ganz gern, besonders, wenn's noch ein weiteres mal um die Ecke geht, also der sich als Mädchen verkleidende Junge sich als ein als-Junge-verkleidetes-Mädchen ausgibt. 

Ganz so komplex wird's im ersten Band von Not a Boy (noch) nicht, aber es fängt vielversprechend an.

 Not a Boy 01
(c) Egmont

Kanda-kun, im zweiten Jahr an der Uni, ist einfach eine coole Socke. Sowohl beim im-Unterricht-vor-sich-hinträumen als auch beim Rauchen in der Pause. Kein Wunder, dass er der in Liebesdingen eher unerfahrenen Okuma sofort ins Auge gefallen ist. 

Ein charmant konstruiertes Missverständnis macht aus den beiden ein Paar. Okuma kann ihr Glück nicht fassen, während Kanda... einfach. nicht. die. Kurve. kriegt, ihr zu sagen, dass er doch eigentlich  a  u c h  eine Frau ist. Aber Kanda-kun denkt genau das regelmäßig, wenn Okuma Sachen sagt wie  

"Wahnsinn, Kanda-kun, Du siehst wie eine echte Frau aus!" (von Okuma fürs Crossdressing-Café angeheuert)

"Würde Kanda-kun sich komplett wie eine Frau benehmen, wäre er nicht mehr er selbst." (immernoch im Maidoutfit, aber beim Rauchen) oder

"Tja, Männer sind bei solchen Spielen eben geschickter." (am Greifer-Automaten)

So vertieft sich ihre Beziehung von Tag zu Tag, von Date zu Date ein klein wenig weiter. Und sie passen auch einfach gut zusammen! Natürlich steigt die Zahl der brenzligen Momente bzw. erhöht sich auch deren Grad der Brenzlichkeit, dass doch noch alles auffliegt. Und die geneigte Leserin fragt sich, wie lange die Illusion noch aufrecht erhalten werden kann. 

Hoffentlich lange – ich mag nicht nur die beiden als Paar sonder auch die Punchline ganz gern. Ab Band 2 könnte man dann vielleicht ein Trinkspiel draus machen? Aber vielleicht knickt Kanda-kun ja auch ein und geht doch mit Okuma ins Thermalbad. Ich bin gespannt, wie lange sich der Zeitpunkt der Enthüllung noch hinauszögern lässt.

Ein nettes Detail noch zum Schluss: Okuma trägt jeden Tag andere Ohrringe.

Montag, 27. Juni 2022

ein Meer der Farben: Anaïs Nin

Anaïs Nin hat einen gewissen Ruf – viele halten sie für eine Autorin von Schmuddelromanen. Weit gefehlt, wie ich finde. In ihrer expliziten Beschreibung weiblicher Sexualität war sie einfach nur ihrer Zeit um einige Jahrzehnte voraus. Ihre frühen Tagebücher, in denen sie (sich) die ersten 25 Jahre ihres Lebens zwischen Europa und Amerika erzählt, haben es in sich. Aber darüber soll es an dieser Stelle gar nicht gehen. Sondern um die farbstarke Graphic Novel:

  Anaïs Nin – Im Meer der Lügen

Die Erzählung setzt in den späten 1920er Jahren in Paris ein. Anaïs und ihr Mann sind gerade aus der Metropole aufs Land gezogen. Eines Tages bring er den Schriftsteller Henry Miller mit nach Hause. Der Rest ist (Literatur-)Geschichte.

Dies vorab: Ich musste die Graphic Novel zweimal lesen. Nicht, weil ich sie nicht verständen hätte, nein, nein, das ist alles tiptop erzählt und – geschickt-angemessen gerafft – zu einem Plot verwoben.

Was mich nachhaltig beeindruckt und in seinen Bann zieht, ist der Zeichenstil von Léonie Bischoff. Beim ersten Hinsehen sieht das aus wie mit einem Kinderbuntstift gezeichnet. So einem mit einer dreifarbigen Mine: gelb, rot, blau. In den Panels werden die drei Grundfarben zu tollen Farbspielen kombiniert. 

Es gibt KEINEN EINZIGEN schwarzen Strich! Und dennoch wirkt die Geschichte beim Lesen nicht übermäßig bunt. Opulent farbig, ja. Aber nicht kaugummi. Und detailliert – oft ist auch der Hintergrund aus unzähligen Strichen zusammengesetzt. Ebenso scheinen bei genauem Hinsehen alle flächigen Farben immer aus den drei Grundfarben zusammengesetzt. Selbst in den dunkelsten Objekten, wie einem Mantel oder Anaïs Haar spielen immer Farben mit. Das erinnert an... den Schatten von Seifenblasen. Der ist nämlich auch bunt. Aber eben auch Schatten. (Wer's mir nicht glaubt, muss es selbst mal ausprobieren.)

Also Ein. Fest. für. die. Augen. 

P.S.: Auch die innere Stimme von Anaïs ist toll dargestellt, mit Wallehaar und deutlich durchtriebenerem Gesichtsausdruck. Und das Gesicht von Anaïs finde ich gut getroffen. In seiner Puppenhaftigkeit. Mit den großen, ausdrucksstarken Augen einer Katze. Mein Favorit aber sind die manchmal auf den Wangen erscheinenden sanft schraffierten Dreiecke. Schaut's Euch an.

Montag, 20. Juni 2022

ein Stück Leben ü50: das unabwendbare altern der gefühle

Eine nackte alte Frau und ein nackter alter Mann sitzen auf dem Cover dieser Graphic Novel. Das ist ungefähr so einladend und nichtssagend wie der Titel. Ich hab' sie dann mal trotzdem gelesen.


Und siehe: Es ward gut. 

Frankreich. Ulysses wird von dem Umzugsunternehmen bei dem er arbeitet, in Frührente geschickt. Plötzlich weiß der Witwer nichts mehr mit sich anzufangen und die Tage ziehen sich wie Kaaaaaaauguuuuuuummiiiiiii. Méditerrannée (ja, ihre Vorname ist Mittelmeer – warum, wird in der Geschichte erklärt) führt nach dem Tod ihrer Mutter den Käseladen weiter. Die beiden lernen sich durch einen Zufall kennen und verlieben sich auf ihre alten Tage ineinander.

Ulysses (also die französische Version von Odysseus) der Möbelpacker, der manchmal etwas ungehobelt daherkommt und Bücher prinzipiell ablehnt, weil sie ihm das Arbeitsleben so schwer gemacht haben. Seine erste Frau hieß übrigens Penelope. Méditerrannée, die als ehemaliges Model sehr kritisch auf den "Verfall" ihres alternden Körpers blickt. 

Das ist so einfach und schnörkellos erzählt, dass es eine helle Freude ist. Die Geschichte wirkt direkt aus dem Leben gegriffen. Mit Charakteren, die auch mit Ecken und Kanten glaubwürdig sind und sympathisch, einem geschickt konstruierten Plot und einem interessanten Twist am Ende, der das Lesevergnügen eher noch steigert. Und die Namen der beiden Hauptfiguren sind eh klasse.

Diese Graphic Novel über das Leben ü50 ist für alle, die selbst keine Angst vorm Altern haben. Aber auch, wer noch etwas Zuspruch benötigt, wird nach der Lektüre weniger sorgenvoll auf das blicken, was unweigerlich auf uns alle zukommt.

P. S.: Eine nette kleine Prise französischer Kultur ist der Graphic Novel erhalten geblieben: So siezt man sich hier auch noch nach dem ersten Kuss.

Mittwoch, 15. Juni 2022

zurück im Scheinwerferlicht: Annemarie Schwarzenbach


Was für ein Leben. 

In eine wohlhabende Schweizer Industriellen-Familie geboren, steht der intelligenten und eigensinnigen Annemarie in den späten 1920er die Welt offen. Nach dem Internat studiert sie in Paris, lebt in Berlin und ist eine enge Freundin von Klaus und Erika Mann. Sie fährt leidenschaftlich gern Auto und bereist damit auch mehrfach den Orient.

 

Von diesen Expeditionen zeugen kluge Berichte, die Annemarie Schwarzenbach für Zeitungen schreibt, und unzählige Fotografien. Eine Frau mit vielen Talenten. Eine, die liebt, wen sie will. Eine, die die Grenzen, die man ihren Geschlechtsgenossinnen auferlegt, nicht anerkennt. Die sich darüber hinwegsetzt. Eine, die einfach macht. 

Und sie ist schön. Sehr schön. Ihr androgynes Äußeres verschafft ihr unzählige Verehrer*innen, die sie umschwirren wie die Motten das Licht. In ihrer Berliner Zeit kommt sie mit Rauschgift in Kontakt, das sie Zeit ihres kurzen Lebens nicht mehr loslässt. Hier lernt sie aber auch die Fotografin Marianne Breslauer kennen, der die Nachwelt eine atemberaubende Portraitserie zu verdanken hat.

Diese findet sich auch in der Biographie "Auf der Schwelle des Fremden", die ich vor einigen Jahren andächtig gelesen hat. Mehr eine Art Fotoalbum zeichnet Alexis Schwarzenbach darin das Leben seiner Tante nach. Als ich von der neuen Graphic Novel "Annemarie" erfuhr, war klar, dass ich sie mir ansehe. 

Aber stellt sie einen relevanten Beitrag zu den bereits existierenden Werken dar? 

Ich denke ja. Die Autorinnen bleiben nah an Annemaries nur 34 Jahre währender Vita. Auf gut 150 Seiten werfen sie prägnante Schlaglichter auf ihr Leben und auf die wichtigsten Personen darin. Das Ganze ist von einem gelungen ausgewählten erzählerischen Rahmen gefasst. 

Der skizzenhafte Strich und die harmonisch komponierten, flächigen Farben schmeicheln den Augen. Je berauschter die Protagonistin ist, desto fahriger wird der Pinselstrich. Ebenso wurden einige Faksimiles in die Geschichte integriert und auch Auszüge von Annemaries Prosa.

Für alle, die von Annemarie Schwarzenbach noch nichts gehört oder über sie gelesen haben, ist die Graphic Novel definitiv ein guter Einstieg. Für alle, die sich für die Genderthematik auch in ihrer historischen Dimension interressieren, sowieso. Einziger Wermutstropfen: EIN Foto von ihr wäre toll gewesen. Denn diese zeigen so viel mehr von Annemarie Schwarzenbachs magischer Aura.

Mittwoch, 8. Juni 2022

ganz anders als gedacht: Don't lie to me – Paranormal Consultant

Wie der erste Eindruck doch täuschen kann... Für Mystery habe ich ja eher wenig bis nix übrig, also war ich mir nach dem Durchschmökern der ParaCon-Leseprobe sicher, dass der Don't lie to me...  kein Manga für mich ist. 

Damit sich aber das mit der Neulieferung erhaltene Leseexemplar nicht allein des nächtens im Unfug fürchtet, nahm ich's mal mit nach Hause und führte es da seinem Verwendungszweck zu. Die 1920er mag ich nämlich ganz gern (kaum zu glauben, dass die jetzt schon hundert Jahre her sein sollen!) und finde diese Epoche in Japan nochmal extra spannend, weil da noch so viel mehr Lametta (a.k.a. traditionelle Lebensweise) war.


Ein kleiner Trost also – wenn mich schon die Handlung kalt lässt, wird's wenigstens was auf die Augen geben. 

Los geht's: Die junge Kanoko Urabe verlässt ihre Heimat, weil sie dort zu einer Außenseiterin geworden ist. Mit ihrer Fähigkeit, Lügen am Klang der Stimme zu erkennen, eckt sie nur an. Das ernst- und gewissenhafte Mädchen, trifft auf Soma Iwai, einen semi-sympathischen, verpeilten Schmarotzer, der jedoch mit einer außergewöhnlichen Beobachtungs- und Kombinationsgabe gesegnet ist. Urabe und Iwai bringen gemeinsam Licht in das rätselhafte Verschwinden des kleinen Nachbarsjungen und werden ein Team, dem es schließlich gelingt, einen ersten richtigen Fall an Land zu ziehen. 

Soviel zur Story. Das alles ist flott und flüssig erzählt, augenschmeichelnd gezeichnet und mit ein paar netten Slapstick-Einlagen gewürzt. Jetzt zum Titel. Paranormal fand' ich an diesem Manga... gar nix. Kein Klopfen in der Wand, keine aus dem Regal fallenden Bücher, keine Stimmen aus dem Nichts. Oder geht das nur mir so, dass ich bei paranormal an Geister und Grusel denke? 

Na gut, die Art, wie Kanoko den Lügen "auf die Spur kommt" ist sicher alles andere als normal. Vielleicht wird es ja in Band 2 gruseliger – ich werde das auf jeden Fall ausprobieren. Und warum Consultant? Aber genug genörgelt.

Hier lieber noch einige Highlights, die mich beim Lesen erfreut haben: 

1) Kanoko kommuniziert in erfrischender Weise 'auf Augenhöhe' mit ihren Gegenspielern. Ohne eine burschikose Energiewalze zu sein, steht sie mit beiden Beinen im Leben und weiß sich in ihrer Umgebung entschlossen zu behaupten. Schön, wenn man sich um die Protagonistin mal keine allzugroßen Sorgen machen muss. 

2) In einer Straßenszene ist ein Mann im Kimono mit Fedora zu sehen. Grandiose Mischung.

3) In Kapitel 3 habe ich gelernt, dass man in Japan bei der Geburt nach herkömmlicher Zählweise bereits 1 Jahr als ist. Ein wirklich interessanter Ansatz. Wer hat sich eigentlich ausgedacht, dass Neugeborene null Jahre alt sind? Als würden sie fertig aus einem 3D-Drucker ploppen...

Zum guten Schluss mein gar nicht mehr so überraschendes Fazit: 

Wer – wie ich – die Mangas von Kaoru Mori (Emma, Young Bride's Story) mag, wird auch ParaCon sehr gern lesen. Zumindest ab Kapitel 3. Wer sich von diesem Manga wohligen Grusel verspricht, wird vorerst enttäuscht. Aber kann ja noch werden. ;-)

Mittwoch, 25. Mai 2022

leider geil: Tokyo Revengers

Seit das Tokyo-Revengers-Ufo auf unserem Neuheiten-Tisch gelandet ist, liegt Cheffe mir in den Ohren, ich solle den unbedingt mal lesen, der wäre ja sooo gut. Nun bin ich ja eher von der Shojo-Fraktion (genauer dem Realo-Flügel) und überzeugte Pazifistin – mit einer Story über Gangkämpfe kann ich per se also recht wenig anfangen. Und mit männlichem Gewaltmackertum noch weniger.

Um Cheffe nicht das Herz zu brechen, gab ich erstmal der Leseprobe im Manga Preview eine Chance. Ok, das mit der Zeitreise fand' ich ganz nett (da Sci-Fi nicht abgeneigt) und auch dem gewagt-debilen Look von Mittelschul-Takemichi konnte ich was abgewinnen. Aber sonst... kein gesteigerte Motivation, tiefer in die Geschichte einzutauchen. Also wurschtelte ich mich weiter so durch.

Bis mir eines schönen Tages mit strengem Blick das Leseexemplar als Hausaufgabe fürs Wochenende mitgegeben wurde. Grrrr... und seufz. Aber da ich ohnehin eine Bahnfahrt vor mir hatte, habe ich da halt die Nase reingesteckt. 

Und es kam wie befürchtet. Take und seine Brudis halten sich für die coolsten, werden aber selber ordentlich schikaniert. Bzw. gleich mal von einer älteren Gang zusammengeschlagen. Aua. Take machte da auch alles andere als eine gute Figur, sondern holt sich eine sehr blutige Nase. 'Nen halben Sympathiepunkt gab's immerhin, als er einem Jungen aus der Klemme hilft. Damit beginnt Take, seine eigene Vergangenheit – und damit auch seine Zukunft – zu ändern. 

Und da fängt es dann an, wirklich spannend zu werden! Ich wollte es ja selbst kaum glauben. Denn mit jedem Trip in sein junges Ich (wie er das anstellt, spoiler` ich jetzt mal nicht) agiert Take mit dem Wissen von 12 zusätzlichen Lebensjahren. Und heimst so peu à peu weitere Sympathiepunkte ein. Ab dem Ende von Kapitel 2 hatte ich dann schon Probleme, den Band mal kurz aus der Hand zu legen um eine kurze verzweifelt-begeisterte Nachricht an Cheffe abzusetzen. MENNO!

Neben der wirklich überraschend komplexen Storyline und der sich langsam entfaltenden Charaktere in ihrem Beziehungsgeflecht untereinander macht mir auch die Übersetzung viel Spaß. Da war ein wahrer Wortschmied am Werk, chapeau! Und – jetzt kann ich's ja sagen – beim Aufschlagen des Mangas überraschte mich als erstes eine Seite voll Text. In diesem erläutert die Redaktion ihre Überlegungen zum Umgang mit dem Manji-Symbol. Fand ich gut, das so offen, nachvollziehbar und vor allem an höchst präsenter Stelle erzählt zu bekommen.

So, dann kann er JETZT bitte mal kommen, der zweite Band!

Mittwoch, 18. Mai 2022

"Trip mit Tropf" gelesen...

 ...und restlos begeistert gewesen.

Neulich zu Hause in der Küche: Mein Mann brutzelt Bratkartoffeln, während ich Wolf und Kaninchen auf ihrem Roadtrip begleite. Frau muss ja an den Neuerscheinungen dranbleiben.  
 
Bild: Josephine Mark / Kiebitz-Verlag
 
Ich weiß gar nicht, wen von den beiden ich am Ende lieber mochte: Das bald haarlose Kaninchen mit seiner (ungesunden) Vorliebe für Chips und Pommes? Den rüden Wolf, der trotz seiner knurrigen Kommentare ganz rührend für "Nager" sorgt? 
 
Nee, es ist definitiv der patente Wolf, der mit genialem Ohrenspiel und grandioser Mimik so präzise sein Inneres ausdrückt! Cooler als Wolf mit Sonnenbrille geht einfach nicht. Und NÄHEN kann er (u. a.) auch – nicht zuletzt seine eigenen Wunden. 
Ob Wolf und Kaninchen ihren Roadtrip meistern, werde ich jetzt mal nicht spoilern. Auf jeden Fall ist "Trip mit Tropf" randvoll witziger Details, spannend und toll gezeichnet. Ich hatte beim Lesen viel Spaß und war am Ende der Geschichte etwas geknickt, dass der Ritt schon vorbei war.
 
Über's Lesen wurde meine Bratkartoffel-Portion leider kalt. Aber man kann nicht alles haben.