Mittwoch, 19. Dezember 2012

Vampire, Pop & die Zähmung einer Bestie

Wo sind bitte die Blutsauger abgeblieben, die ich so liebe? Diese verwegenen Gestalten des Zwielichts, die immer sprungbereit sind in das Nass einer blutenden Kehle? Was sich heute alles Vampir schimpfen darf, ist ein Sakrileg, ein Verstoss gegen die heiligste aller Schöpfungen - gegen die Unterhaltung. 

Milchzahnige, handzahme Bausparvampire, glatt wie Flusskiesel. Diese blassen Schrumpfformen ihrer selbst dominieren den Bücher- und Comicmarkt. Kein Schaudern mehr, kein Funken dunkler Erotik. Nur noch wollweichgespülte Designerromantik. Es ist ein Elend, man möchte ihnen allen von Punkrock betört einen Pflock tief ins gecastete Herz bohren - fürchtete man nicht zu sehr vor der grausamen Rache der verdorbenen Kinderseelen, die diese Jammergestalten vergöttern. 

Es scheint als sei ganz Gallien verloren - nein nicht ganz Gallien. Einige wenige knochenharte Exemplare dieser liebeswerten, in Reisszahnreihen grinsenden Scheusale begehren auf gegen die blutleere Twillightaristokratie - und natürlich muss ich diese wenigen Philosophen der Bluttat besingen ... 

... denn es ist an der Zeit für eine neue Götterdämmerung, die Gebeine der Popvampire sollen die Altäre bilden, für die Fackelträger dieser uralten Zunft von Meuchlern und Verführern.


Den Beginn des Gegengesangs bildet der vierte Teil der bekennend maliziösen Saga rund um Skinner Sweet, den ersten der American Vampire. Die bislang ausnahmslos grandiose Serie quillt über vor tiefschwarzem Dialogwitz und die Geraden von Scott Snyder sitzen noch immer präzise.

Wer glaubte, diese atemberaubende Serie würde nach dem gewagten und  allzu durchsichtigen Marketingstunt zum Plotbeginn leiden, der hat sich tief ins Fleisch geschnitten. Diese kurze und nahezu unbedeutende Co-Autorenschaft von Stephen King ist eine en passant zu vernachlässigten Fussnote in der Comicgeschichte.

Scott Snyder & Rafael Albuquerque haben einen modernen Klassiker aus den noch dampfenden Innereinen dieses gefällig gewordenen Genres geformt. Blutig, bitterböse und pointiert kommt der rohe Gegenspieler der europäischen Vampire daher. Ein Halunke aus der Unterschicht, ein Parvenü mit erheblichem Überbiss.

Im vierten Teil assistiert Snyder jedoch nicht Albuquerque, sondern der brillante Sean Murphy, der bereits mit Joe, the Barbarian eine markante & unverkennbar eigene Marke hinterlassen hatte. Und obwohl ich die Zeichnung der ersten drei Bände wirklich sehr verehre, gelingt Murphy das Kunststück dieser Serie nochmals einen gänzlich neuen Drift zu verleihen.

Wer die Serie kennt weiss, dass man die Plots niemals reduktiv paraphrasieren kann. Ein Allzuviel an Anspielungen, Zierrat und Nebennarrativen erschwert dies. Daher mache ich es hier recht kurz. Die Vasallen des Morgensterns, diese geheimorganisierte Gilde von Vampirschlächtern glaubt ein wirksames Heilmittel gegen den Vampirismus gefunden zu haben und sieht sich nun in der Lage, die weltweite Epidenie der Wiedergänger wirksam zu bekämpfen - wären da nicht die Nazis.

Richtig, Nazis, diese Menschen in Schaftstiefel und mit Hass im Herzen. Der Banner des Sonnenkreuzes weht über den neuen Sondereinheiten. Murphy gelingt es die historischen Greueltaten an der Zivilbevölkerung hinter der Ostfront glaubwürdig in das Narrativ der vampiresken Raserei einzubetten - denn wo anders als im totalen Krieg ist es den Kreaturen des Zwielichts gestattet ihren Blutdurst so ungehemmt zu stillen. Ja, neben einem spannenden, actionreichen Plot bietet die Zusammenarbeit von Snyder & Murphy sogar so etwas wie eine politische Allegorie an. Wer kann denn da widerstehen?


Eine etwas andere Tonalität und Textur weist der zweite Teil von Ayroles Vampirsage "D" rund um den Vampirdandy Lord Faureston auf. Ich hatte den ersten Teil sehr lobend besprochen (Link hier) und war etwas zwiespältig, ob die Fortschreibung des kurzweiligen Plots gelingen würde. Die Fallhöhe war immens, aber kurz: ja, die Sorge war unbegründet.

Auch der zweite Teil der perfiden Gesellschaftssatire strotzt vor halsbrecherischen Wendungen und überraschenden Storytwists.  Oberflächlich ist "D" ein klassischer franko-belgischer Fantasycomic mit ansehlichen Damen in hinreissenden Roben und tiefen Dekolletees, aber der hintergründige Plot ist gut versteckt hinter diesen vermeindlich vertrauten Äusseren.

Innerhalb des Plots wird der Bruch alter Glaubenswelten und Hierarchien durchbuchstabiert. Auch dies ist vielleicht als eine Allegorie auf den heutigen handzahmen Vampircomic zu sehen. Je massiver und je kranker die Ausfälle sogenannter Glaubenskrieger werden, um so affirmativer wird der Vampir. Seine Rolle als Gegenmodell der fortschrittsgläubigen, empiriegestählten Aufklärung ist ihm schon lange verloren gegangen.
In diesem Comic kulminiert dieser Bruch in einer der widersprüchlichsten Figur der letzten Jahre - Richard Drake.

Drake ist ein weitgereister Gentleman der verblassenden Kolonialzeit. Ein bürgerlicher Aufsteiger, der seine gesellschaftliche Position dem Wagemut und den Aufenthalten in den Kolonien verdankt. In den aristokratischen Kreisen bewegt er sich wie ein Fremdkörper, dem dieser vornehme Stallgeruch nicht eigen ist und doch ist er der vitalste aller Salonlöwen. Viril, imposant und eindrucksvoll. Und auch wenn er ein Mann des Wissens und des Buches ist - so ist er auch vertraut mit den Schattenreichen und den nächtlichen Grauen. Drake ist der Figur gewordene Bruch zwischen Aufklärung und Dämonenglauben.

Mehr möchte ich über diese kongenial beobachtete Sozialstudie, diesem perfide inszenierten Sitten- und Gesellschaftsgemälde eigentlich garnicht sagen. Dies ist ein Comic, der sich wünscht gelesen zu werden, auch wenn er auf den ersten Blick sehr bekannt wirkt. Das Stereotypensterben schreitet weiter voran.


Zu guter letzt möchte ich noch eine heilige Lanze für den Genreklassiker von Steven Niles & Ben Templesmith brechen. Dieses heimstückige Biest von einem Comic wird gerade neu aufgelegt und die Barrow-Trilogie ist der erste Band dieser Sammelbandedition.

Manche werden sich noch erinnern. Barrow, diese kleine Stadt am Rande der Wildnis Alaskas, schneeumweht und im arktischen Winter in 30 lange Tage voller Dunkelheit getaucht. Ein perfekter Jagdgrund für blutgieriges Gesindel. Es war folgerichtig, dass der Film auf Zelluloid gebannt wurde.

Die Finesse der gnadenlos guten Schockerverfilmung bestand in dem brillanten Stilmittel die Vampire in einer eigenen Sprache sprechen zu lassen. Etwas was mit Untertitel und Zischsounds einfacher zu bewerkstelligen ist als mit Text & Tusche. Aber die Idee wurde im Comic geboren & wurde somit nur adaptiert.

Und genau hier liegt die stille Stärke des Comics. Natürlich sind Templesmiths ruppigen, expressiven und verstörenden Zeichnungen mehr als nur ein atmosphärisches Ventil, aber sie wären nichts ohne die drastische Erbarmungslosigkeit eines Niles. Der Plot der Barrow-Trilogie gehört vielleicht zu dem besten was die Horrorsparte des Vampircomics zu bieten hat. Alte, sehr alte Geschöpfe der Vormoderne zeigen eindrucksvoll auf, wie fragil und brüchig der Menschen Welt ist. Die Krone der Schöpfung wird da auch mal zur Beute sehr viel perfiderer Bestien.

Natürlich haben schon Aberdutzende Vampirstories den Menschen zum gejagten Tier gemacht, aber selten war er so schutzlos wie in Barrow. Die Gegner sind übermächtig. Organisiert, nachtaktiv, scharfsichtig & pfeilschnell, wen wundert es, dass man sich da fix wie ein waidwundes Gnu in einer eisdurchwirkten Serengeti fühlt, welches umringt von zornigen Augenpaaren ist. Kurz gesagt Genreklassiker.

Freitag, 14. Dezember 2012

"FCBD 2013" - Weitere "Gratis"- Heft- Titel angekündigt






Der Vertrieb Diamond Comics Distributors hat die Liste der "Gratis"- Comics des FREE COMIC BOOK DAY 2013 (am 04. Mai) um mehrere Dutzend Titel ergänzt (die sogenannten "Silber Sponsoren"). Die komplette Übersicht finden Neugierige HIER!

Die Übersicht aller -dann 53!- Titel wird ab Anfang Januar komplett im PREVEWS # 291 gelistet und abgebildet sein (sowie auf der website des FCBD).

SMALLVILLE SEASON ELEVEN - Comic erhält spin-off! + Auftritte von IMPULSE & FLASH!



Anfang Januar startet in Ausgabe # 9 die nächste Storyline innerhalb DCs  SMALLVILLE - SEASON ELEVEN Comic Book, der Heft-Reihe, in der die erfolgreiche TV-Show offiziell fortgesetzt wird.

Superman (Clark Kent) trifft hier erneut auf Bart Allen, der inzwischen ebenfalls (wie Clark) eine kostümierte Helden- Identität angenommen hat: "Impulse". (Nach seinem Erst-Auftritt in Season 4 absolvierte Bart noch mehrere Cameo-Auftritte in späteren SMALLVILLE Episoden, gemeinsam mit seinen künftigen Kampfgefährten der "Justice League".)

In der neuen Storyline "Haunted" werden erstmals die Geheimnisse von Bart's Herkunft enthüllt.

"There's something that has been haunting Bart for some time, some baggage he's been carrying," erzählt Autor Bryan Q. Miller dem amerikanischen TV Guide Magazine. "Everyone in our story is being haunted — physically, metaphorically — by some element of their past."

Als Bart erstmals in der Episode "Run" (Season 4) in Erscheinung trat erzählte er Clark nur von diesem "gewaltigen Blitz" nach dem er plötzlich so wahnsinnig schnell rennen konnte.  "For the first time ever we head-on address how Bart got his powers," so Miller weiter. "Perhaps there was more to it than possibly even Bart knows."

 
...aber auch Jay Garrick ("The Flash") wird in Erscheinung treten (erst- und letztmals gesehen im "Justice Society"- movie-special innerhalb der 9. Season!)


"Haunted" soll mehr Verbindung zu den (verfilmten) Seasons 1 bis 10 der Serie haben als die beiden Vorgänger- Storylines aus  "Smallville Season Eleven" ## 1 - 4 und ## 5 - 8.  "It's the first time we are relying heavily on previous Smallville series history. This arc has many more roots in specific episodes and mythology from the series." 

Außerdem erfährt der Leser mehr über  Chloe's Bemühungen mehr über ihre Doppelgängerin (von einer Parallel-Erde) herauszufinden und über Lex Luthor's Versuche seine partielle Amnesie in den Griff zu kriegen.
 
"So industrious was Lex at covering his own tracks, that he hid the information from himself. He's been harassed by his subconscious memory of his half-sister Tess, who he killed in the TV (Season 10)  finale just as she drugged him with a mind-erasing drug. "Tess' memories are that last bastion of him. This is his last desperate attempt to find out the man he was before the amnesia, and also to find out what she knows — that he presumably also knew — about Superman."

DC veröffentlicht derzeit dreimal monatlich neue "Smallville Season Eleven" -Kapitel digital / online, die dann in der vierten ("freien") Woche als extra-dickes Comic-Heft nachgedruckt werden.

Sowohl die digitale wie auch "analoge" (= gedruckte) Version der Serie läuft für DC derart erfolgreich, das man sich jetzt entschlossen hat, auch noch die bisher Smallville- "digital-freie" Woche mit einer separaten Spin-Off-Serie zu füllen.

In ihr erleben die Helden, die Clark im bisherigen Verlauf der Serie kennenlernte, eigene Abenteuer. Den Anfang machen "John Jones" alias "Martian Manhunter" (in der TV-Serie regelmäßig dargestellt von Phil Morris) und Batman (der erst in den Heften ##5 -8 Co-Star war) in einem gemeinsamen Abenteuer!

"These are stories that will help fill in the rest of our world while Clark is busy on his main adventure," erläutert Miller. "The first four off-weeks will be 'Effigy.' It gives everyone a chance to keep that Smallville machine rolling every week."

Für Fans und Leser die nach dem "DC Relaunch" ("THE NEW 52") den "klassischen" Superman vermissen, ist SMALLVILLE SEASON ELEVEN derzeit DCs einzig lesbare Alternative. (Im UNFUG ist der Titel -nach "Action Comics"- die bestlaufendste Superman- Heft-Reihe!)

"Smallville Season Eleven" auf dccomics.com



  
australischer Trailer für die season 5 / c) 2012 WB

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Überirdisch-paranormaler Nippes zum wundervoll-heilig-mysteriösem Fest!



jeweils 9,95 Euro - ab kommender Woche erhältlich!

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Was fehlt?

Heute, am 12.12.12 - kurz vor Sonnenuntergang - ist uns in der Torstrasse 75 etwas abhanden gekommen (hoffentlich endgültig). Und wir werden's wahrlich nicht missen!

Comicreporterdarlinge @ Carlsens "Ladies Nights"

Vor kurzem gingen die sog. "Ladies Nights" in diversen Thalia (Douglas)-Filialen über die Bühne, die Carlsen im Rahmen seiner neuen Graphic-Novel-Reihe "For Ladies Only" mitveranstaltete.

Die beiden versierten Blogger/innen madamebooks und @derLachwitz hatten sich unters Publikum gemischt und erstaunten:

"Wo muss ich mich anmelden damit ich beim nächsten Grillkochbuch oder der Vorstellung von Jan Fedders Handbuch für Treckerreperatur teilnehmen kann? Mir ist schon klar, dass Männer als größere Zielgruppe nicht unbedingt genau so auf solche Events reagieren wie Frauen. Auch wird es wohl schwer, in einer Buchhandlung einen Grillabend auszurichten oder einen Trecker in die Sofaecke zu stellen...

Unzweifelhaft funktioniert das Konzept aber und persönlich muss ich vor einigen der Ideen, die dabei zu sehen waren, ganz klar den Hut ziehen. Auch ich will als Konsument gerne mal kreativer umworben werden, anstatt, dass mir nur das nächste Unterwäschemodell versucht ein Handy anzudrehen, oder dass Catwoman sich auf dem neuesten Heft wieder in fast schon physisch unmöglichen Posen räkelt."



"Auf dem Flyer sehr schwammig mit „Geschichten mit Bildern“ ausgedrückt, vermied man das Wort „Comic“ in der Werbung im Vorfelde tunlichst. Der Grund dafür wird dem Lachwitz und mir klar, als wir einfach mal zwei Damen aus dem Publikum fragen, was sie denn an diesem Abend in die Buchhandlung gelockt habe und ob sie bewusst wegen der Comics gekommen seien. Eigentlich, so lautete der Tenor, habe man gar nicht gewusst, dass es dabei um diese Literaturform ging, sondern sei mehr auf die Formulierung der Ladies'Night angesprungen."


P.S. Vor wenigen Tagen hatten sich Spickmich-Leserinnen ebenfalls "erstaunt" gezeigt: Comics für Frauen – Gut oder schlecht?

Graphic Noël

Wir empfehlen heute die Print-Ausgabe des Berliner Tagesspiegels, der wieder mit einer Comic-Sonderseite auftrumpft, in der u.a. "Die besten Comics des Jahres 2012" gekürt werden! Wir beteiligen uns dort mit den besten Wünschen: