Sonntag, 8. August 2010

Dietrich Grünewald (Hg.): Struktur und Geschichte der Comics. [Ch. A. Bachmann Verlag]. Forsch' nicht zu den Schmuddelkindern :D.



Die Gesellschaft für Comicforschung (kurz: ComFor) hat sich im Jahre 2005 in Koblenz zusammengefunden, um eine vernetzte, interdisziplinäre und internationale Comicforschung in Deutschland voran zu treiben. Man kann ihr also eine ähnliche Vorreiterrolle unterstellen, wie der deutlich dienstälteren Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL) in Hamburg, welche schon ehr früh bemüht war, den Nimbus des Schmuddelkindes, der im traditionellen akademischen Umfeld der verfemten Kunstform Comic noch immer anhängig ist zu mildern.

In Deutschland existieren zwar immer noch starke Vorbehalte gegenüber dieser Erzählform, aber ein Umdenken wird sichtbar, auch wenn der gegenwärtig omnipräsente "Graphic Novel"-Diskurs (und damit die perspektivischen Verengung auf textgebundene Erzählverfahren) ein wenig Überhand nimmt.

Im Auftrag der ComFor erschien jetzt eine, von Prof. Dietrich Grünewald betreute Anthologie, welche Konferenzbeiträge aus den Jahren 2006-2008 versammelt und sichtbar macht, wie vielschichtig und facettenreich die Forschungsbemühungen inzwischen in Deutschland sind.

Die 14 Beiträge kreisen um soziokulturelle Bewertungsdiskurse - der möglicherweise illegitimen Kunst - innerhalb der kunstgeschichtlichen Verortung, die didaktischen (und manipulativen) Möglichkeiten des Mediums im Geschichtsunterricht, die zahlreichen kulturell präfigurierten Darstellungsformen von Identität und Alterität und die Möglichkeit deren Subversion und Persiflage, aber auch kritische Inhalte wie die oftmals unhinterfragten Stereotypisierungsproblematiken und die Zensurbedingungen werden behandelt. Desweiteren werden Montagetechniken als spezifische Erzähltechnik des Comics und die Wechselwirksamkeit von visueller Narrativität und narrativer Visualisierung untersucht. Eine detaillierte Aufschlüsslung der Autoren und Beiträge ist hier zu finden.

Meines Erachtens finden sich hier, insbesondere durch die Einspeisung aktueller theoretischer Überlegungen und Positionen zu den neuen Formen der visuellen Narration, wichtige Reformulierungen zu den kontrovers diskutierten Formen des sequentiellen Erzählens, welche lange Zeit durch Scott McCloud Deutungen deutlich dominiert wurden. Deutungsmuster, welche die Erzählmedien Bild & Text endlich auch gemeinsam zu denken versuchen.

Der Band beweist durch die Auswahl seiner Beiträge die lange marginalisierte (manchmal sogar geleugnete) gesellschaftliche Relevanz von Comics und deren kritisches Potential. Als anschaulichstes Beispiel wären hier der Beitrag von Rike Bolte zu nennen, welcher unter dem Titel "Die Quadratur der Inka-Eier im Entennest oder wer oder wen provoziert Pato Donald. Der lateinamerikanische Comic als transkulturelles und autonomes Medium einer marginalisierten Moderne" zu nennen, in dem die Autorin eine starke und kreativ wirksame Wechselwirkung zwischen den Polen Hommage und Unterwanderung, zwischen Selbstermächtigungspraktiken und augenzwinkernder Ironisierung der Vorbilder ausmacht.

Durch die offene Konfrontation einer alternativen, von der westlichen Deutung abweichenden Perspektive auf kulturelle Phänomene wird ein Resonanzraum geschaffen, ich welchem die altbekannten Figuren mehrfach neu besetzt werden und immer bruchhafter und facettenreicher werden. Somit kann im Bereich des Unterhaltungscomics durch die Einspeisung kulturpolitischer Codes eine zunehmend globalisierte, exotistische Stereotypen und Rahmungen kritisch hinterfragende und nicht ausschliesslich kulturell fest verankerte Identifikation ermöglicht werden.

Diese Anthologie kann ich allen an das comicbegeisterte Herz legen, die sich mit den gegenwärtig vorherrschenden Theorieströmungen vertraut machen wollen, sich einen fundierten Einblick in mögliche zukünftige Forschungsfelder beschaffen wollen oder einfach nur ein Laieninteresse an der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Comics haben. Käuflich erwerbbar ist der Titel in beiden Filialen, für den für Fachliteratur leider typischen Hochpreis von 29,95 Euro.

Samstag, 7. August 2010

DMZ #07 - Machtmissbrauch [Vertigo / VÖ: 24.08.2010] ... Die schmutzigen Seiten der Politik.


Im aktuellen Teil der dystopischen Saga aus der Feder des immer besser werdenden Brian Wood, ist der Protagonist Matty Roth konfrontiert mit den Problematiken des notwendigen und erwünschten Unabhängigkeitsethos des Journalisten - aber kann er diesen Anforderungen gerecht werden, in dieser besonderen Situation der DMZ?

Kann er, nachdem er sich so fraglos auf die Seite des inzwischen gewählten Gouverneurs Parco Delgado geschlagen hatte, überhaupt noch als kritische Instanz gelten, die die Dynamiken der Stadt im Kriegszustand dokumentieren kann oder hat er diese Position nicht bereits eingebüsst?

Der scharfe und populistische Kurs, den Delgado bereits kurz nach seiner Wahl einschlägt wirft Fragen auf. Er annulliert alle bislang geltenden Verträge und verweist alle Truppen UND Beobachter der Stadt. Am schärfsten geht er hierbei gegen die Konzerntruppen von Trustwell vor, deren Söldnerzellen nun ohne Unterstützung um ihr blankes Überleben streiten müssen.

Roth beobachtet unter der neuen Regentschaft die Ausbildung fragwürdiger Koalitionen, die nur der gewalttätigen Machtsicherung und dem radikalen Ausbau der alleinigen Führerschaft gelten - tote politische Gegner werden hierbei billigend in Kauf genommen.

Das wahre Gesicht des Machtpolitikers tritt zu Tage, Delgado ist keine Lichtgestalt, den die Sicherung der Lebensqualität der Zonenbewohner antreibt, sondern ein herrschaftshungriger Warlord, der durch die Beschaffung einer Massenvernichtungswaffe die Anerkennung seines Reiches durch die UN erzwingen will. Erpressung als politische Methode kennen wir ja aktuell auch aus anderen Bezügen und so zeigt sich wieder einmal, dass Woods Dichtung mehr ist als ein gallenbitteres entrücktes, politisches Märchen, sondern ein präzises Brennglas zur Beschreibung weltweit vorherrschender realer Machtpraxen.

Es gelingt ihm perfide, die bisherig herrschende Aufbruchstimmung in düsteren Tonlagen zu orchestrieren. Nichts bleibt wie es scheint und eine persönliche Bedrohung ist allgegenwärtig. Ein Faktum, welches Roth sehr schnell zu spüren bekommt, er ist auf den Schutz seines persönlichen Leviathans angewiesen. Wie wird er diesem Dilemma begegnen, wird er Dokumentierender bleiben oder Akteur, wird er die Macht weiterhin kritisieren oder ihrem Reiz erliegen, sich offenkundig gefährden oder doch kooperieren? Woods psychologisch dichte Erzählweise überzeugt ein weiteres Mal.

In diesem Band enthalten sind zwei zusätzliche Kurzgeschichte, welche sich mit den inoffiziellen Arrangements, der sich bekriegenden Truppen befassen, ("Die Insel") die nicht frei von Brutalität, Willkür und Folter sind. Diese kurze Erzählung stellt einen weiteren kritischen Diskurs dar, welcher die Frage nach der Rechtsmäßigkeit von Kombattanten stellt, ein juristisches Problem, welches in der amerikanischen Öffentlichkeit ungelöst bleibt. In der zweiten Geschichte ("Zee, DMZ") wird auf ansprechende Weise die Menschlichkeit in den Zeiten des Krieges illustriert. Zee muss sich zwischen politischer Vorliebe und medizinischem Ethos entscheiden - darf ich meinen Gegner qualvoll ausbluten lassen oder steht der Hilfsgedanken über allen Truppenformationen? Auch dieser Konflikt lässt den Leser nicht unbeeindruckt.

DMZ ist und bleibt eine der spannendsten Serien der letzten Jahre, in der die Unmenschlichkeit der Politik ganz klar benannt wird. Ihr könnt dieses grafische Nachdenken über Krieg, Recht und Moral ab dem 24ten August in beiden Filialen für 18,95 Euro (SC) erwerben.

Freitag, 6. August 2010

Comickünstler Thomas Ott - Vorstellung von R.I.P. auf ARTE


eingestellt vom Mediacontainer auf YouTube.

Druckfehler in Moomin 4 und 5

In den amerikanischen Ausgaben 4 und 5 der Moomin-Strips finden sich leider Druckfehler:



Volume #4:
Page 38 is missing final strip.
Page 110 is missing final strip.

Volume #5:
Page 44 has incorrect strip.
Page 81 has incorrect strip.


Drawn&Quarterly teilt mit, dass Kunden, die diese Titel bereits gekauft haben, auf Wunsch «Errata sheets» zum Einkleben erhalten!

Donnerstag, 5. August 2010

David Prudhomme - Rembetiko [Reprodukt] ... Der Klang des kleinen Widerstands

Dass sich die Kunstform Comic hervorragend dazu eignet komplexe geschichtliche Zusammenhänge anschaulich darzustellen wissen wir spätestens seit Saccos Berichten über Palästina oder den iranischen Bildwelten von Persepolis oder Zahra's Paradise.

Möglicherweise liegt die Stärke der Comics in der Darstellbarkeit von Mikroereignissen, welche in der großflächigeren Betrachtung der Historie immer an den Rand gedrängt werden. Vielleicht ist aber auch der offene und spielerische Umgang mit Wahrheit & Dichtung, Fakt und Fiktion dieses treibende Moment, welches gerade dieser Ausdrucksform ihre unnachahmliche Wucht und Direktheit verleiht.

Reprodukt hat mit Rembetiko einen Comic, des jungen und in Deutschland noch recht unbekannten David Prudhomme veröffentlicht, welcher den bereits ausgeführten Spielarten des semifiktionalen, historischen Schreibens im Comic eine weitere Facette hinzufügt.

Die Inszenierung einer möglicherweise überprüfbaren Geschichte, deren erfundene Akteure Realpersonen ähneln, eine Geschichte, welche jedoch lieber ausschmückend erzählen will statt straffend zu dokumentieren, ein wildes Gewebe aus Text, Bild, Farbe und Licht - eine "rembetische Fantasie", wie es der Autor im kurzen Nachwort selbst bezeichnet.

Fakt ist, Prudhomme betrieb eine ernstzunehmende Recherche, machte sich mit der Kunstform des "griechischen Blues" (wie der Rembetiko oftmals bezeichnet wird) vertraut, fühlte sich ein in das polizeistaatliche Klima der Amtszeit des autoritären Generalissimus Ioannis Metaxas und arbeitete die soziokulturellen Besonderheiten dieser Musikform heraus. Kenntnisreich begann er dann mit fast träumerischer Leichtigkeit einen Comic zu Papier zu bringen, den ich in dieser Form bislang noch nicht gesehen habe.

Mühelos wechselt Prudhomme zwischen gestochen scharfen Porträtstudien, die durch ihre konkrete Linienführung an Karikaturen erinnern und einen stürmischen, nervösen, unruhigen, expressiven Strich. Seine Einarbeitung von komplexen Lichtverhältnissen ist atemberaubend, er scheint sie mit größter Leichtigkeit zu beherrschen. Egal, ob es um die Sichtbarmachung der rauchgeschwärzten Haschischhöhlen geht oder um das grelle Nachmittagssonnenlicht Griechenlands oder die Düsternis der Gefängniszellen - Prudhomme scheint einfach alles zu gelingen!

Der Comic bezieht aus dieser Verschränkung von künstlerischer Begabung, zeichnerischen Eigensinn und fundierter Recherche seine erstaunliche Dynamik, er wirkt nie gehetzt, obwohl komplexes verhandelt wird. Der dargestellte Tag der Athener Subkultur im Jahre 1936 entwirft ein detailliertes Tableau von korrespondierenden Kleinstereignissen, es geht nie nur um die ständig bekifften Strassenmusiker, die der neuen Regierung als Sündenböcke dienen sollen, sondern immer auch um die Möglichkeit des Protestes gegen Normierungen.

Prudhomme erzählt raffiniert von der zunehmenden Isolierung (und Kommerzialisierung) dieser Subkultur, welche möglicherweise wie keine andere die musikalischen Traditionen des Okzident und des Orient miteinander verwoben hatte. Der Kampf gegen diese Form der grenzenlosen Musik ist also mehr als nur die Attacke auf diese offensichtlich unterwerfungsmüden Lebemenschen. Sondern (möglicherwiese sogar vorallem) ein Angriff auf eine alternierende kulturelle Äußerung, welche das neue und ausschliessende Ideologiekonzept des nationalistischen Griechenlands nicht mehr anerkennen will, trotz einer tausendjährigen Tradition von gegenseitiger kultureller Befruchtung und Überlappung.

Es gelingt Prudhomme innerhalb seiner "rembetischen Fantasie" komplexe gesellschaftliche Wandlungsprozesse abzubilden, ganz ohne dabei verkopft, bemüht oder gar steif zu wirken. Das elegante Seitenlayout wird durch das eingesetzte Handlettering nochmals gestärkt, welches die Schrift in den Verlauf sanft einbettet, statt durch die Verwendung einer Computertype den Eindruck bereitwillig zu zerstören.

Kurz gesagt: Ein eleganter Comic, der vorallem durch die raffinierten Lichteffekte überzeugt, der bei aller Fiktionalität immer die bittere Realität der Akteure im Hinterkopf behält, nicht übermäßig romantisiert und dessen Figuren man sicherlich nicht so schnell vergisst.

Selten machte ein Comic eine ganze Szene so sinnlich erfassbar, das Anschlagen der Saiten, das bekiffte Kichern des Publikums, welches trotz aller Härte des Milieus immer nur feiern will, die fast schon körperlich fassbare Bedrohung durch die Schergen der kulturell normierenden Polizei - all dies wird auf den 102 großformatigen (DIN A4) Seiten abgebildet. Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Form der geschichtlichen Bearbeitung Nachahmer finden würde, auch wenn es schwer sein wird, diesem grafischen Leckerbissen das Wasser abzugraben.

Richtig, ich gebe eine Flaneurempfehlung, wegen des eigenständigen Themas, wegen der sichtbar guten Recherche und wegen der Weigerung Subkulturen totzuschweigen. Prudhomme ist ein wichtiger Botschafter gegen das Vergessen und ein noch besserer Beobachter aktueller Ereignisse, denn die Strukturen, welche im Comic angegriffen werden sind sicherlich nicht nur im 1936er Athen zu finden.

Ihr könnt den Comic entweder in alle gut sortierten Comicläden beziehen - aslso bei uns :D er kostet runde 20 Euro. Um euch jetzt noch ein bissl mehr in Richtung Entscheidung zu schubsen, hier noch als Leseprobe die ersten 10 Seiten des Comics.

Mittwoch, 4. August 2010

Bestseller: US- & UK- Import Comic Books ("Heftchen") im UNFUG (Juli 2010)


"X-Women" # 1, Marvel


1)

Batman & Robin # 13, regular + variant editions, DC

Batman: Return Of Bruce Wayne # 4 (of 6), reg. + var. editions, DC



2)

X-Women # 1 (oneshot by Claremont & Manara), MARVEL


"Brightest Day", DC


3)

Brightest Day ## 5 + 6 (of 27), regular + variant editions, DC


"Wonder Woman" # 600 (2nd printing), DC

& "Superman"# 701, DC


4)

Wonder Woman # 601, regular + variant editions, DC

Wonder Woman # 600 (1st + 2nd printings), DC


5)

Superman # 701, regular + variant editions, DC

Batman # 701, DC


6)

Daytripper # 8 (of 10), DC / VERTIGO

Sweet Tooth # 11, DC / VERTIGO

IZombie #3, DC / VERTIGO


"The Unwritten" # 15, DC / VERTIGO

& "Greek Street" # 13, DC / VERTIGO


7)

American Vampire # 5, DC / VERTIGO

The Unwritten #15, DC / VERTIGO

Greek Street # 13, DC/ VERTIGO


8)

Action Comics # 891, DC

Action Comics # 890 (1st + 2nd printings), DC


"Action Comics" # 890 (2nd printing), DC

& "Green Arrow" # 2 (BD), DC


9)

Flash # 4, regular + variant editions, DC

Green Arrow # 2, DC



10)

Adventure Comics # 516, regular + variant editions, DC

Legion Of Super-Heroes # 3, regular + variant editions, DC


11)

Green Lantern # 56 (BD), DC

Green Lantern Corps # 50 (BD), DC


12)

Superman / Batman Annual # 4 (1st + 2nd printings), DC


13)

Justice Society Of America # 41, DC

Justice League Of America # 47, DC


"Superman / Batman" Annual # 4, DC

& "Avengers: Children's Crusade" # 1 (of 9), MARVEL


14)

Avengers: Children’s Crusade # 1 (of 9), MARVEL

Secret Avengers # 3, regular + variant editions, MARVEL


15)

Avengers # 3, regular + variant editions, MARVEL

Avengers Academy # 2, regular + variant editions, MARVEL


16)

Daredevil # 508 (Shadowland), MARVEL

Shadowland # 1 (of 5), regular + variant editions, MARVEL


"Shadowland" # 1 (of 5), MARVEL

& "The Brave & The Bold" # 35, DC


17)

Alan Moore Neonomicon # 1 (of 4), regular + variant editions,

AVATAR PRESS

Brave & The Bold # 35, DC


18)

S.H.I.E.L.D. # 2, regular + variant editions (new printings), MARVEL

Justice League: Generation Lost ## 5 + 6, regular + variant editions, DC


19)

X-Men # 1, regular + variant editions, MARVEL


20)

Comic Book Guy: The Comic Book # 1 (of 5), BONGO COMICS

Officer Downe (oneshot), Image

Doctor Solar: Man Of The Atom # 1, regular + variant editions,

DARK HORSE


"Officer Downe" oneshot, IMAGE

& "Doctor Solar: Man Of The Atom" # 1, DARK HORSE

Max Brooks: Der Zombie Survival Guide. Dokumentierte Angriffe [Panini] ... Just little bits of history repeating .. and I've seen it before ...


... and I'll see it again ... yes I've seen it before ... just little bits of history repeating

Was haben der Bau des Hadrianwalls und die geheimen Aufzeichnung des Francis Drake, die Sklavenaufstände in St. Lucia, antike (eifersüchtig gehütete) Aufzeichnungen der Edo-Präfektur und der chinesische Guerillakampf in der Mandschurei miteinander gemein? Welches Wissen verbindet diese sehr verschiedenen historischen Orte und Ereignisse - welche Erfahrungen werden hier geteilt?

Nun, dies ist jetzt sicherlich für einige von euch schwer zu glauben- und doch handeln all diesen wissenschaftlichen Dokumente von Zombies, Menschenverspeisser, Vital Beeinträchtigte - wie ihr auch immer diese Gattung von instinktgesteuerten Massenwesen benennen wollt, es geht um Untote. Und um deren dokumentierten Angriffe auf die Welt der Lebenden.

Max Brooks, Sohn des Mel, liefert eine ebenso so schockierende wie erheiternde Studie über die selten konfliktfreien Kontakte zwischen Mensch und Zombie ab. Nachdem er 2004 mit dem "Zombie Survival Guide" bereits einen Ratgeber über den Umgang mit untoten Nachbarn veröffentlicht hatte und wichtige Überlebenstips gab, welche hunderttausende von Leben retteten, schiesst er nun eine seriöse archäologische Arbeit nach, in der alle gemeinsamen Anstrengungen der Lebenden zur Abwehr der lebenden Toten nachgezeichnet werden.

Auch wenn hier weniger praktische Überlegungen im Mittelpunkt des Interesses stehen, wie der Bau von zombiesicheren Behausungen, bietet auch dieses Buch wichtige Organisationsregeln, die ein jeder, der sich mit einer unübersehbaren Massen von unruhig hin und her wackelnden und seltsam guttural grunzenden Zeitgenossen konfrontiert sieht, beherzigen sollte.

Zombies sind keine Freunde und du ihr begehrtes Futter, ein Wiedereinbinden dieser Hinterherwackler in den Sozialzusammenhang ist unmöglich, eine wohlgemeinte Resozialisierung sinnlos, investiert diese Mittel lieber in den Kauf von großkalibriger Munition, statt euch den Hoffnungen eines möglichen Zusammenlebens hinzugeben.

Brooks zeigt in seiner wissenschaftlichen Studie, dass der letzte dokumentierte Übergriff nicht in den frühen Sechzigern im lebensunwirtlichen (und somit nur schwach besiedelten) Osten der sibirischen Provinz stattfand, wie uns die etablierten Medien glauben machen wollen, sondern 1992 im pittoresken kalifornischen Joshua Tree-Nationalpark. We're not alone!

Also vergesst alle Raserei rund um den möglichen großen Anschlag von islamistischen Heimgewächsen, die brennenden Ölplattformen in chinesischen Häfen oder die freigiebig Rohöl spendenden, abgesoffenen Plattformen. Die echte - die wahre Gefahr trägt ein menschliches Gesicht - auch wenn die Gewebestruktur etwas gelitten hat und es um die Körperhygiene eher schlecht steht.

Wer nicht aus der Geschichte lehrt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen, so formulierte irgendwann einmal irgendein kluger Geist die Notwendigkeit der historischen Studien. Max Brooks bietet uns hier unentbehrliche Recherchen, welche er unter Einsatz seines Lebens zusammentrug, unterstützt wurde er hierbei von seinem Forschungspartner Ibraim Roberson, welcher die Ergebnisse graphisch fest hielt.

Auch wenn man über den wissenschaftlich unterkühlten Stil von Roberson sicherlich vorzüglich streiten kann, verweigert er sich in der Dokumentation jeglicher Weichzeichnung oder Beschönigung, die S/W-Zeichnungen sind offensiv, unzensiert, schön gory & vor allem lebensecht (oder besser untotengetreu).

Und wer sich jetzt Gedanken darüber macht, wie er den nächsten Zombieansturm in seinem kleinen Apartment überstehen kann ganz ohne Mami, Hund oder Mitbewohner diesen Kreaturen zu opfern, sollte unbedingt mal einen Blick in dieses kleine Büchlein werfen, welches seit dem 20ten Juli auch in Deutschland erhältlich ist - die historische Spur der Untoten zu finden ist wichtig! Bildet euch, es kann Leben retten!

Und günstig ist dieser Lebensretter auch, ihr könnt ihn in beiden, in der Untotenbekämpfung erfahrenen Filialen für 16,95 Euro (SC) erwerben.