Dienstag, 3. August 2021

60 Jahre jung: Marvel's erstes Superhelden-Team, "Die Fantastischen Vier", sind die eigentliche Geburtsstunde des "Marvel Universe"


...mit den "Fantastic Four" starteten Jack Kirby & Stan Lee im Jahre 1961 das Phänomen, das wir heute als "Marvel Comics" kennen (die - inzwischen Dank der Kinofilme hochgehypten- "Avengers" folgten erst drei Jahre später!). Ohne den Erfolg der "FF" hätte es all die anderen, später folgenden Marvel-Figuren nie gegeben!


Timely Comics (der direkte verlegerische Vorläufer der "Marvel Comics Group") dümpelte ab Mitte der 50er Jahre mit seinem Comic-Programm vor sich hin. Ihre patriotischen Helden (wie etwa "Captain America"), die noch in den 40er Jahren (zu Zeiten des 2. Weltkriegs) erfolgreich waren, verkauften sich bereits ab Ende der 40er nicht mehr. Timely stellte schhließlich seine Comic-Serien komplett auf die Genres Western, Horror und SF um (auch wenn in der Übergangsphase Superhelden wie Cap, Human Torch oder der Sub-Mariner durchaus noch die Covers zierten).


Selbst Stan Lee (der zu der Zeit noch unter seinem echten Namen -Stanley Lieber- für Timely arbeitete) trug sich mit dem Gedanken, das Comic Book Business endgültig aufzugeben !


Ab 1956 fing Timely -Konkurrent "National Comics" (alias DC Comics) an, sehr erfolgreich seine alten Super-Helden zu modernisieren und reaktivieren... 

Neue, zeitgemäße Versionen von Helden wie dem "Flash", der "Green Lantern" aber auch ganz neue Figuren (wie der "Martian Manhunter" oder das "Atom") bevölkerten zusätzlich die DC Serien... (und gesellten sich zu den fünf bis dahin einzig noch erfolgreichen Superhelden die nach wie vor durchgängig publiziert wurden - Superman/boy, Batman, Wonder Woman, Green Arrow und Aquaman- !)

Die Legende will es, das Martin Goodman, Chef von Timely Comics, zu jener Zeit regelmäßig gemeinsam Golf spielte mit jemanden (da nennen verschiedene Quellen leider auch unterschiedliche Namen) aus der DC - Chefetage bzw. mit jemanden aus deren Vertrieb.

1960 schwärmte dieser jemand gegenüber Goodman, was für ein toller Verkaufserfolg doch die jüngst gestartete "Justice League Of America"-Serie sei (eine modernisierte Version des ersten Super-Helden-Comic-Teams überhaupt, der "Justice Society Of America", von DC einst zwischen 1940 und 1951 publiziert). 

 

Zu diesem Zeitpunkt erschienen die ersten drei "JLoA"- Abenteuer noch innerhalb einer von DCs Anthologie-Serien ("The Brave & The Bold") , um beim Leser zu testen ob's gefällt.


Goodman beauftragte daraufhin seinen Redakteur / Autoren Stanley Lieber ebenfalls ein Team von Super-Helden zu kreieren um sich an den "JLoA"-Erfolg dranhängen zu können...

Stanley arbeitete bei der Konstruktion seines  Teams aber mit einem (für damalige Verhältnisse) völlig neuen Ansatz. Seine Super-Helden sollten sich "menschlicher" benehmen als die Helden der Konkurrenz. Daher sollte auch das "Soap Opera" -Element in den Geschichten nicht zu kurz kommen und die Helden auch keine Geheim-Identitäten haben...


 

Für die Mitglieder des Teams der "Fantastic Four" ließ er sich von klassischen Super-Helden-Comics des "Golden Age" (= 1938 bis 1951) inspirieren.

So ist "Johnny Storm" (alias "Human Torch") eine moderne Version des heldenhaften, gleichnamigen Androiden  -!- der in den 40er Jahren beim Marvel-Vorläufer "Atlas/Timely" einst eine eigene Heft-Reihe hatte.

"Reed Richards" (alias "Mr. Fantastic") scheint wie eine seriöse Variante des humorvollen Gummimenschen "Plastic Man" (aus den Comics der Verlage Quality Comics bzw. DC) bzw. "The Elongated Man" (DC);

"Ben Grimm" alias "The Thing" dagegen scheint die Reminiszenz an die zahlreichen, schrägen und exzellenten Monster-Kurzgeschichten des Timely/Marvel Verlags zu sein; 

"Sue Storm" (alias "Invisible Girl") schließlich gibt dem Team den (aus heutiger Sicht leider etwas altbacken wirkenden) femininen Touch. (Tatsächlich forderten gerade in den Anfangsjahren der "Fantastic Four" auf den Leserbriefseiten Leser immer wieder, das "Invisible Girl" doch aus dem Team 'rauszuschmeißen bzw. mit einem Kerl zu ersetzen. Chauvinismus der 60er Jahre...)


Optisch erinnern die Figuren - besonders in den gaaanz frühen Geschichten, als das Team noch in Zivil- Kleidung statt in Kostümen agierte - ein wenig an DCs "Challengers Of The Unknown". Auch die "Challengers" traten ab Mitte der 50er Jahre bei ihren Abenteuern und Expeditionen immer wieder gegen Aliens, Monster und Bösewichter an... (allerdings besaßen die "Challengers" -im Gegensatz zu den späteren "FF"- keine Superkräfte, dafür aber mancherlei technische Gadgets.)

Beide Teams wurden von Jack "King" Kirby optisch gestaltet! Vergleicht man die frühen Abenteuer beider Teams fallen einem gewisse Ähnlichkeiten sofort auf.


Stan Lee zur Entwicklung des FF -Teams:
"Johnny was the easiest. I'd make him a typical teenager, impatient, hot-blooded and overly impetuous. He likes girls and sport cars as much, and maybe more, than fighting the bad guys...."

(Was wohl auch der Grund gewesen sein mag, wieso Johnny Storm bereits ein kappes Jahr nach dem Start der "FF" -Heftreihe seine eigenen (meist) Solo-Abenteuer erleben durfte, später begleitet von Ben Grimm, "The Thing". Diese Abenteuer erschienen in Marvel's "Strange Tales")


"...As for Sue, I did'nt want her to be the typical girl who's always in danger, always having to be rescued by the hero. I wanted Sue to be an intgral part of the team with equal power, courage and grit..." 

 

Als ab 8. August 1961 "Fantastic Four" # 1 (mit vordatiertem Coverdate "November 1961") an den amerikanischen Kiosken in den Verkauf ging, entwickelte sich das Heft sofort zum Hit, sprach die Serie doch durch ihre klug durchkalkulierte Mischung sowohl Fans von Super-Heroes-, Monsters- aber auch Soap Opera Comics an.

Zeitgleich mit dem Erscheinen der "FF" gab sich der Verlag den viel schmissiger klingenden Namen  "Marvel Comics" (auch als Homage an Timelys Anthology Comic Book gleichen Namens aus den 40er Jahren) und begann weitere innovative Helden zu veröffentlichen, die teilweise völlig neu konzipiert waren, z.T. aber auch "nur" überarbeitete Versionen älterer Figuren waren ("Ant-Man", "Thor", "Hulk", "Spider-Man"), dies gern auch unter unfreiwilliger Mithilfe von Vorlagen konkurrierender Verlage!.

Innerhalb kürzester Zeit wurden im Marvel-Verlag die Zahl der Horror-, SF- und Western- Comics zurückgefahren und diese Serien nun durch Super-Heroes ersetzt. Mit Beginn der 70er Jahre war "Marvel Comics" dann endgültig zum Platzhirsch an den US- Kiosken geworden...

In Deutschland gab es den Erst-Auftritt der "Fantastic Four" bereits im Herbst 1966 innerhalb der (anfangs noch in schwarz/weiß publizierten) Anthologie-Comic Reihe "Hit Comics" des in Aachen ansässigen bsv - Verlag (die Origin-Stories der frühen US-Hefte wurden hier aber noch unterschlagen). 

Während die # 1 noch ein Abenteuer des Netzspinners "Spider-Man" (hier als "Die Spinne") präsentierte, kamen unsere vier Abenteurer als "Die fantastischen Vier" ab der # 2 mehr oder weniger regelmäßig zum Einsatz (allerdings -wie bei den "Hit Comics" leider üblich- mit massig Auslassungen, Kürzungen und teilweise unterirdischen Übersetzungen!).

Ab Januar 1973 starteten ausgewählte Marvel-Helden dann erstmals in Deutschland (relativ) komplett nochmals von vorn und in (meist) korrekter Reihenfolge mit jeweils eigener Reihe. Vorbei die Zeiten, in denen sich alle möglichen Marvel-Serien unter dem "Hit"- Signet eine Anthologie-Reihe teilen mußten. 

Diese Fassung von "Die Fantastischen Vier" brachte es im Hamburger Williams Verlag auf  immerhin 124 Ausgaben... 

(Die "Fantastischen Vier" galten im Williams Verlag als erfolgreichste Comic-Heft-Serie, neben der "Spinne" ("Spider-Man") mit 137 Heften, der DC-Grusel-Anthologie "Horror" (mit 147 Ausgaben) und der deutschen Lizenz-Ausgabe des "MAD" Magazins (300 Ausgaben). )



Lesetipps:

Über ein Dutzend -!- key-issues der "Fantastic Four"  (aus dem Zeitraum 1961 bis in die 2000er Jahre) gibt es als mega-preiswerte $1 Nachdrucke innerhalb von Marvel's "True Believers" reprint-Heft-Reihe! (zum anlesen: viele davon sind noch bei uns im UNFUG erhältlich)

Ideal zum anlesen, neu- oder wieder-entdecken...

Da sind Erst-Auftritte dabei ("Doctor Doom", "Silver Surfer", "Galactus"), große Ereignisse (etwa die Hochzeit von Reed & Sue, ein brutaler Kampf zwischen "Hulk" & "Thing") oder auch eins der besten Hefte aus der "What If?" - Reihe...

 

EPIC COLLECTION
Paperback-Reihe


Die Bände der "Marvel Epic Collection" sind extrem fette Tradepaperbacks (Sammelbände im Softcoverformat) die in einzelnen Reihen jeweils einer klassischen Marvel- Figur bzw. Serie gewidmet sind.

In den Bänden werden nicht nur die Hefte der betreffenden Serie nachgedruckt, sondern auch wichtige "Crossover"-Ausgaben zu anderen Marvel-Serien (so enthalten z.B. die ersten "Epic Collections" von Figuren wie "Hulk" oder "Silver Surfer" auch viele ihrer Gast-Auftritte die diese in anderen Marvel-Heft-Reihen hatten! ...und alles in Lese-Reihenfolge!)

Jede der bisher veröffentlichten "Epic Collections" hat einen Umfang von etwa  450 bis 500+ Seiten, was ca. 20 US-Standard-Heftchen entspricht (plus / minus das eine oder andere umfangreiche Annual o.ä.).

Die in früheren Jahren publizierten "kompletten Sammlungen" waren entweder preiswert (aber dafür auf billigem Papier und nur in schwarz/weiß gedruckt ("Essentials") oder extrem kostspielig, da in kleineren Auflagen, auf Kunstdruckpapier in Farbe im Hardcoverformat veröffentlicht ("Marvel Masterworks", die i.d.R. stets nur ca. zehn der Heftchen nachdruckten).


 
Die "Epic Collections" beschreiten da einen sehr guten Mittelweg: 

Mit einem Coverpreis von ca. $40 preislich in der Mitte liegend (zwischen den alten "Essentials" und "Masterworks"), bieten sie dem Leser inhaltlich manchmal sogar ein klein wenig mehr Inhalt als die  "Masterworks" (nicht nur die im Vergleich doppelte Menge nachgedruckter Hefte, sondern z.B. Bonus-Seiten mit reprints von Sketch-Art, verworfene Cover-Motive u.a.m., was selbst in den teuren Hardcovers nicht zum Abdruck kam!).

Marvel veröffentlicht die Bände der verschiedenen "Epic Collection" - Reihen aber nicht in chronologischer Folge. Eine Übersicht aktuell verfügbarer Bände gibt es stets auf den inneren Umschlag- Seiten einer jeden neuerschienen "Collection".

Hilfreich ist aber auch z.B. diese Übersicht HIER! Inzwischen sind innerhalb der "Fantastic Four" Epic Collection Reihe alle frühen, von Jack Kirby z.T. geplotteten und gestalteten Hefte verfügbar (innerhalb der Bände Vol. 1 bis 6);die von Zeichner-Legenden John Romita Sr. und John Buscema gestalteten Anschlußhefte gibt es dann ab Vol.7

 
 

 

                                             "Fantastic Four" # 1 vom 8. August 1961