Freitag, 15. Juli 2022

aus dem Leben erzählt: Im selben Boot

Es war mal wieder etwas weniger los im Laden – also eine gute Gelegenheit, die Nase in einen Comic zu stecken. Aus einem nicht näher erklärbaren Grund ist es dann "Im selben Boot" geworden – vielleicht, weil es schon länger schräg ggü. von der Kasse hängt. Im deutschen Eck.

 Titelabbildung

Ende der 1980er. Essen. Die Teenager-Schwestern Britta und Wiebke (a.k.a die Autorin Zelba selbst) sind Ruderinnen und verbringen den Großteil ihrer Freizeit auf dem Wasser. Soviel zum Setting. Die Geschichte, die dann folgt, beschreibt den Weg Wiebkes in das deutsch-deutsche Nationalteam, das bei der WM von 1991 fast alle Goldmedaillen abgeräumt hat. 

Ob Wiebke auch eine bekommt, spoilere ich jetzt mal nicht. ;-) Daneben geht es – wie im Leben jedes Teenagers – um Freundschaft, Schule, Liebe, Familie usw. Die chronologisch aufgebaute Geschichte wird ab und an von Fakten-Seiten unterbrocken. Darauf werden dann locker-fluffig die Basics des Ruderns erklärt, aber auch ein wenig politisches Hintergrundwissen aufgefrischt. 

Das ist super, weil so auch nicht-Zeitzeugen diesen Comic besser verstehen. Obwohl ich nicht finde, dass da viel nicht-zu-verstehen ist. Aber ich bin da auch voreingenommen, denn da steckt ganz viel von meiner Jugend drin. Und dementsprechend viel Spaß hatte ich auch beim Lesen. 

Der Blick auf's Impressum führte dann zu einer interessenten Entdeckung: "Im selben Boot" ist ursprünglich auf französisch erschienen. Damit machten dann auch die historischen Ost-West-Erklärseiten noch ein wenig mehr sind. Die sind aber so witzig und informativ gestaltet, dass man sich da auch als Dabeigewesene/r nicht langweilt. 

Auf der Webseite von futuropolis, bei dem "Dans le même bateau" erschienen ist, erfuhr ich dann auch vom Folgecomic Zelbas – in diesem berichtet sie von den letzten Jahren ihrer chronisch lungenkranken Mutter. Und von der Sterbehilfe, die sie und ihre Schwester dieser geleistet haben. Wow. Was für ein kontroverses Thema. Ob sich dafür ein Verlag in Deutschland findet? Ich hoffe, ja. Und bald.