Ungnade ist so ein gewichtiges, schweres, deutsches Wort mit Pathos, das im Mund liegt wie ein bräsiger, eingespeichelter Dinkelbratling. Es klingt auch sehr katholisch und ich mag dieses Wort nicht. Ich mag es vor allem nicht im Zusammenhang mit Comics! Denn ich liebe Comics! Und wenn es auch einige Comics gibt, die ich natürlich heute so nicht mehr lesen würde oder gut fände, dann gab es doch mal eine Zeit in der ich genau diese Comics toll, super, gigantisch fand!
Jetzt zu sagen, dass diese Comics grottig sind, sagt ja auch einiges darüber aus, was für ein Idiot ich damals war, dieses Comics leidenschaftlich zu lieben.
[Das hat durchaus Ähnlichkeit damit eine zerbroche Liebesbeziehung im Nachhinein nochmal tüchtig durch den Schmutz zu zerren.
Das es sich doch um ein komplettes Miststück/Bitch/Loser/Vollidioten gehandelt habe und man nur froh sein sollte, dass die Kiste vorbei sei. Auch wenn man damals den Anderen für das Beste seit der Erfindung von Coca Cola hielt.]
Zugegebenermaßen sprach ich hier über Kindheits/Teenager-Erinnerungen.
Später fallen Comics nicht mehr in Ungnade - man liest sie einfach nur nicht mehr. Kauft sie nicht mehr. Und dann werden sie nicht mehr hergestellt. Und dann sind sie mausetot. Aber das hat mit "Ungnade" nun wirklich nichts zu tun. Dazu braucht man Hormone! Und die hat man in der notwendigen Überproduktion eben nur in jungen Jahren...
Ich sprach dann nochmal mit Torsten über dieses Thema, der das anders sah. Aus seiner Sicht gibt es bei Comics - wie auch bei Filmen - gewisse Modewellen, die einige Jahre/Jahrzehnte später wirklich nicht mehr gehen. Einwurf: "Wie das "N-Word bei Ottfried Preussler?" Neeeeein. Nein. Nicht wirklich, das ist ja eine gesellschaftliche Entwicklung, die dann von staatlicher Seite sanktioniert wurde. Eher Geschmacksrichtungen, die jetzt einfach überholt sind.
[Gedankenblase über meinem Kopf: "Wie nackter Busen in US-Mainstream-Kinofilmen? Unverpixelt? Ohne den Standard-BH der IMMER anbleibt?"] Das Gespräch lief dann in eine andere Richtung weiter, aber es stimmt schon: "Ungnade" muss nicht dramatisch sein.
"Ungnade" kann auch prima mit "Peinlich" kombiniert werden. Und in dieser Kombination passt es prima zu meinen Gefühlen für MLP:FIM [My little Pony: Friendship ist Magic]. Ich muss dazusagen meine kleine Tochter liebt diese Serie (Cartoon auf DVD, natürlich nicht auf Youtube!). Die ersten zwei Seasons habe ich mit ihr zusammen geguckt und fand sie - ok! Wirklich nett gemacht, gute Dialoge, passable Villians!
Also für eine explizite Mädchenserie wirklich akzeptabel - und um Lichtjahre von Prinzessin Lilifee entfernt. [OT: Schaut euch mal spaßeshalber das Publikum für eine Prinzessin-Lilifee-Kinofilm an einem Samstagnachmittag an - viele, viele Väter mit ihren Töchtern! Also entweder sind die deutschen Männer alle Weicheier oder Alice Schwarzer hat gesiegt.] Jedenfalls habe ich die Meinung auch im Freundeskreis vertreten. Dann haben sie in Season 3 die Autoren gewechselt und die Serie wurde mjaaaaaa. [Töten. Burn them. Burn them with Fire.] Und so was hab ich weiterempfohlen?
Das ist gefühlsmäßig vergleichbar mit dem Neuzugang im Freundeskreis, der noch ein wenig fremdelt, aber ganz nett zu sein scheint. Dann lädt man sie - weil man ja nett sein will - zu den nächsten Fete ein. Und dann kommt sie in voller Barbie-Blond, Trailer-Trash, Kampfmontur Und bringt ihren neuen Freund mit. Mit seinem Kampfhund. Und die hast du eingeladen?
"Als ich sie kennenlernte, war sie anders."
-JULES-
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Freitag, 23. August 2013
Sonntag, 21. April 2013
Tante Gerda in geheimer Mission - Ein Gastbeitrag von Tante Gerda
So war das natürlich nicht geplant, Tante Gerda!
Ursprünglich sollte ja der Tante Gerda Text Satire sein, kennt man ja aus Magazinen wie Titanic oder so. Leider schlug Tante Gerda mit ihrem Text doch etwas über die Stränge und kränkte einen Teil der Berliner Comicszene, inklusive Bekannte und Freunde des Ladens, das darf nicht sein und genau deswegen sehen wir uns gezwungen einige Passagen aus dem Tante Gerda Text zu entfernen.
Das Letzte was Tante Gerda wollte war, Leuten die sich mit Enthusiasmus für eine gute Sache engagieren zu beleidigen.
Tante Gerda, wenn du dich in der Szene nicht auskennst, dann halte bitte zukünftig deine Klappe.
Also, für meinen Lieblingsneffen gab es in letzter Zeit nur zwei Themen: Ariol, und dass er die ComicInvasion besuchen wird. Als begeisterte Tante interessiere ich mich natürlich für das, was die jungen Leute so machen *schnipp* ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ *schnapp*
Aber nun gut, unabhängig von meinem Neffen las ich auch auf anderen modernen Plattformen etwas über die ComicInvasion und entschloss mich, undercover die Veranstaltung zu besuchen. Ich schmiss mich also in mein frech bedrucktes Kleid (was ich übrigens extra über einen Katalog bestellt hab), setzte mir eine große Sonnenbrille auf (man will ja nicht erkannt werden) und ging los. Wohin? Nach Friedrichshain, Urban Spree, da wo die jungen Leute sind.
Als ich ankam, sah ich auch schon meinen geliebten Neffen, der wie immer seine Show der coolen Moves abziehen musste, man kennt ihn ja, obwohl ich aber schon erstaunt war, warum er sein Repertoire an Tribaldance zeigte und nicht, wie gewohnt, seine Lambada -Tanzschritte, die er, wie ich finde, viel besser beherrscht. Aber ich war natürlich nicht nur dort, um zu gucken, was dieser kleine Frechdachs von Neffe so anstellt (Hach, ich könnte ihm schon wieder in die Wangen kneifen) sondern, was auf der ComicInvasion so mit Comics abgeht.
In der Comicdingshalle, musste ich erst einmal eine kurze Pause einlegen, wir älteren Semester können nun mal nicht mehr so wie die jungen Hüpfer, aber der junge Mann am Stand von Jochen Enterprises und sein namenloser Rockerkollege von der Band Kunstkraut boten mir eine kühle Erfrischung an, danke noch einmal an dieser Stelle.
Weiter ging es an den Stand vom JaJa Verlag, ein kleines Gespräch unter Damen führen, *schnipp* ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ *schnapp*
Dann hieß es für mich Stände abklappern und gucken, was die jungen Leute so zeichnen und für was sie sich so interessieren. Ich war überrascht und musste so manches Mal schmunzeln.
Schnell noch ein paar Worte mit einem Herren von Warum/Vraoum gewechselt. (Übrigens lustig, wie sich doch Französisch und Quitzösisch ähneln, ich habe fast jedes siebzehnte Wort verstanden) Nach dem pikanten Fachgespräch ging es dann auch schon in die Ausstellungen.
Kunst Kunst Kunst, davon verstehe ich eigentlich eher nichts, bisher dachte ich immer *schnipp* ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ *schnapp*
Puh, und durch die viele Kunst verging auch die Zeit wie im Fluge und leider konnte ich nicht bis zum Abend bleiben und mir die Konzerte ansehen, meine Schuhe brachten mich nämlich um. Für nächstes Jahr habe ich mir fest vorgenommen, mit bequemeren Schuhen die ComicInvasion zu besuchen und nicht mit meinen 84cm-Pumps, dann vielleicht sogar nicht undercover, sondern richtig offiziell als Tante Gerda, mit Lieblingsneffen am Patschehändchen, versteht sich, sofern er nicht zu sehr Mr. Cool für seine Tante Gerda ist, man kennt ihn ja.
Eingestellt von
quitzi
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