Samstag, 26. September 2009

Rutu Modan - Blutspuren

Der jungen israelischen Comiczeichnerin Rutu Modan ist ein echtes Kunststück gelungen, sie zeichnet ein einfühlsames und oftmals überraschendes Portrait der israelischen Zivilgesellschaft im Angesicht des Terrorismus. Emporgestreckte Zeigefinger oder andere appellative Allgemeinplätze sucht man hier aber vergebens, vielmehr wird durch die gewählte Perspektive ein Resonanzraum geschaffen, welcher hervorragend geeignet ist um Einzelschicksale abzubilden, ganz ohne in den Tenor der gängigen Erklärungsmuster einzustimmen.

Der Grund oder die Motivation des Anschlags, welcher im Zentrum der Erzählung steht wird niemals exemplarisch gemacht, er dient eher der Illustration einer anderen bedeutsameren Absicht. Denn nicht die Frage nach der Begründung der Täter wird beantwortet, sondern der Umgang der Opfer mit den erlebten Taten wird dargelegt. Der Zeichnerin gelingt die Veranschaulichung dieser Handlungen mit kleinen, prägnanten Momentaufnahmen.

Beispielsweise, wenn sie die absurd anmutenden Anschlagstouristen beschreibt, welche ihrer Empörung über den rein gewaschenen Ort des Mehrfachmordes freien Lauf lassen. Die Thematisierung dieser Enttäuschung über den ausbleibenden Nervenkitzel hat mich schockiert und nachdenklich gemacht, wie sehr muss sich eine Gesellschaft an den Terror gewöhnt haben, wenn sich solche öffentlichen Rituale entwickeln können?

Modan, welche '66 in Tel Aviv geboren worden ist, inszeniert hier die Innenansicht des israelischen Staates aus der Sicht einer jungen Generation, welche schon lange keine Antworten mehr auf das Warum der Taten sucht, sondern sich vielmehr mit der Situation arrangiert. Auch aus dieser Perspektive betritt der, zu Recht mehrfach prämierte Comic, Neuland, denn er erweitert den politischen Diskurs dieser Kunstform um eine nicht explizite und trotzdem dezidiert kritische Form, mit dem Ausklammern, dem Nichtansprechen des Anschlags verlagert sich die Aufmerksamkeit weg von der Tat hin zu ihrer Bewältigung.

Die Handlung kann folgendermaßen skizziert werden: Kobi, ein junger Tel Aviver Taxifahrer erhält den Anrufer einer jungen Frau (Numi), die glaubt, dass es sich bei dem bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Opfers eines Attentats um seinen Vater handelt, zu dem Kobi schon seit lange jeglichen Kontakt verloren hat. So wird die Suche nach der Antwort auf die Identität des Toten auch zu einer originellen und schlagfertigen Vater/Sohn-Beziehung, welche zunehmend komplexer wird, da auch Numi eine besondere Beziehung zu Kobi's Vater unterhielt, denn sie war seine Geliebte. Krank vor Sorge, weil er sich nach dem Anschlag nicht (wie bisher) mit ihr in Verbindung setzt, glaubt sie, dass er ein Opfer der Bombe wurde, ein Indiz hierfür ist ihr selbst gestrickter Schal, welcher auf den Bildern des Tatorts zu sehen ist.

Die einzige Möglichkeit, welche ihr bleibt um Klarheit zu schaffen ist der DNA-Abgleich des Toten mit einem nahe stehenden Verwandten - sprich Kobi. Kobi & Numi sind aber beileibe kein harmonisches Ermittlerteam, die Spannungen zwischen ihnen sind mehr als offensichtlich, denn Kobi stammt aus einer Arbeiterfamilie, Nuri ist eine mehr als wohlhabende Tochter - diese sozialen Ungleichheiten führen zu etlichen Konflikten.

Dennoch gelingt es Modan die zarte Beziehung, welche sich im Verlauf des Buches zwischen den beiden Protagonisten entwickelt mit ihrem charmanten, warmen & hintersinnigen Humor zu unterlegen, ohne dass sie konstruiert oder schmierig wirkt. Bezeichnend ist hierbei auch, dass Nuri in all ihrer Zerrissenheit gezeigt wird, einerseits schmerzt sie jeder grobe Scherz zu ihrem Äusseren (jedermann nennt sie aufgrund ihrer Größe bloß die Giraffe), zum anderen wird sie sich plötzlich bewusst, dass sie bloß die junge Geliebte eines viel älteren Mannes war, der ihr zahllose Details über sein früheres Leben verschwieg.

Modans sorgfältiger und feinfühliger Art zu schreiben ist es zu verdanken, dass die Charakterisierung dieser ungewöhnlichen und starken Frauenfigur glaubwürdig bleibt. Die Suche der beiden führt so unweigerlich zu einem Nachdenken über die eigene Identität, anders als viele ihrer Zeichnerkollegen nimmt Modan nur sehr dezent Bezüge auf die aktuelle Situation Israels, eines Landes, dessen zivilgesellschaftliches Fundament mit jeder weiteren Bombe zunehmend destabilisiert wird.

All diese Diskurse werden sanft in den Verlauf der Geschichte eingewoben, ohne sie jemals explizit zu machen, die beiläufige Kritik am Militär könnte man fast überlesen, möglicherweise liegt gerade hier die Größe dieser Graphic Novel, im Aussparen klarer Antworten.

Wir lesen vielmehr eine eigenständige Liebesgeschichte, deren Brüchigkeit berührt und welche mit einem der schönsten Schlussbilder endet, die ich seit langem in einem Comic entdeckt habe.

Freitag, 25. September 2009

gute Unterhaltung...MUUUUAHAHAHAHA



Das mit Abstand; brutalste, fieseste, seltsamste aber auch BESTE Simpsons Halloween Special (#15) aller Zeiten!

Egal ob "Hans Maulwurf" oder "der gute alte Gil" alle sind dabei und jeder kriegt sein Fett weg.

Natürlich ist alles geschrieben und gezeichnet von Independent-Größen wie Jeffrey Brown, Sammy Harkham, Kevin Huizenga & Co!

Wer es nicht mag ist schon jetzt des Teufels!

Deutsch für den Ausländer

Jetzt bei uns!  Ganz viel zum Lachen und auch was zum Lernen.
Taschenbuch mit schickem Prägecover und vielen Illustrationen der Autoren selbst.
 
Florian Lamp & Heldrich Johannes
DEUTSCH FÜR DEN AUSLÄNDER
Grosskonzern - Der kleine Verlag
Preis: 19,89
Bestellnr: 12887


Auszug vom Klappentext: "... Deutsch für den Ausländer zeigt, wie die deutsche Normalfamilie aussieht, wie sie tickt, wie sie Pitbulls abrichtet, Drogen konsumiert und Gangsta rappt . . . 
Nach über 10.000 Jahren des Sprachen-Lernens endlich ein völlig neuer Ansatz! Danke, Ihr Hurensöhne! (Kultus-Ministerin eines großen deutschen Flächenstaates)"

Nur ein kleines Textbeispiel aus dem Buch:
CHAPTER 7: Frühstück bei den Schmidts
Helmut zu Eve: "Was gibt es denn zu essen, Eve?"
Eve: "Bitte? Was soll es schon geben? Erdbeeren mit Scheiße!"
Svengster: "Lecker! Erdbeeren! Ich liebe Erdbeeren!"
Helmut: "Bitte rede nicht so mit mir, Eve.Ich liebe dich doch.Ich bringe dir auch nachher noch was vom Kiosk mit!"
Eve: "Ach Helmut! Wirklich? Entschuldigung! Dann bring mir doch einen Nordhäuser Doppelkorn mit. Eine Magnumflasche."

. . . Und so weiter. Das "Rezept" kommt auch noch. Keine Angst.
Es gibt unzählige lustige Textbeispiele, Grammatikübungen etc. und das Ganze schön bebildert. 
Nochmal vom Klappentext: "Ein Buch zum Nachdenken. Vor allem aber ein Buch zum Kaufen! (Die Mütter der Verfasser)"





Donnerstag, 24. September 2009

20th Century Boys - DER FILM!

Jetzt bei uns auf DVD erhältlich, der Film zum 20th Century Boys Manga.
20th Century Boys - Deluxe Edition Box 1/1
Der Tag an dem die Welt blutet
Bestell#: 103625
Preis: 24,95

Ich als Freund der Mangaserie muß sagen - eine sehr gelungene filmische Umsetzung. Ich hatte meinen Spaß. Eine gute deutsche Synchro wäre zwar auch noch schön gewesen, aber naja. Extras gibt es leider keine. Die Filmmusik finde ich persönlich manchmal etwas seltsam, bzw. dick aufgetragen.
Der Film (Teil 1) endet mehr oder weniger nach dem Silvester 2000 Ereignis und ich bin schon auf den 2. und 3. Teil gespannt.
Auch Leute die den Manga nicht kennen werden gut unterhalten, denke ich.

Filminfos bei AV Visionen

Die Mangareihe ist auf deutsch bei Panini bis Band 22 erschienen und erscheint in englischer Sprache bei VIZ. Lieferbare Bände sind bei uns erhältlich.

Kurzmeldung für YAOI Fans


Yamila Abraham is the publisher of Yaoi Press since 2004, who put out a number of yaoi and hentai maga comic books for the English speaking market, homoerotic and pornographic comics for a female audience. (via Bleedingcool )


Dienstag, 22. September 2009

Yoshito Usui (Shin Chan Erfinder) IST TOT!

Ich konnte es nicht fassen als ich das gestern Abend auf "Animenewsnetwork" gelesen habe:

Don\'t cry shin chan!!! Pictures, Images and Photos

Body Identified as Crayon Shin-chan's Yoshito Usui (Update 3)
posted on 2009-09-20 10:21 EDT
Publisher says manga's "future publication is to be determined"
On Sunday, authorities have identified the body discovered at Arafune mountain as that of missing Crayon Shin-chan manga creator Yoshito Usui through dental records and other means.

The body was discovered 120 meters below the mountain's Tomoiwa cliff and reported at about 10:25 a.m. on Saturday by a male climber. Usui's backpack, camera, and other items had fallen about 50 meters away. Inside Usui's backpack was his mobile phone, wallet, and clothes. A police helicopter from Gunma Prefecture airlifted the body on Sunday afternoon. Police from the nearby town of Shimonita concluded that the 51-year-old creator died from collapsed lungs and other injuries sustained across his entire body sometime in the afternoon of September 11.

According to Usui's family, Usui had said that he was "going hiking for a day in Gunma Prefecture," as he often did, on the morning of September 11. His mobile phone was last detected in the vicinity of Karuizawa, a town about 100 kilometers (about 60 miles) northwest of his Kasukabe home, on Monday. Karuizawa is located in the mountainous eastern part of Nagano Prefecture, near the border of the equally mountainous Gunma Prefecture.

In particular, Usui was said to have expressed his intent to climb the Arafune mountain, which towers 1,422 meters (4,665 feet) high at the border between Nagano and Gunma Prefectures. According to Gunma Prefecture's police, there are no guardrails near the top of Tomoiwa cliff, but the established climber's trail is too far from the cliffside for someone to fall. Authorities had been searching this area since his wife reported his disappearance on September 12, after he did not return the night before.

The editorial staff at Futabasha's Manga Town magazine has stated on Sunday night that the "future publication [of Crayon Shin-chan] is to be determined." Futabasha said it was "going through great shock, now that the worst outcome has come to past. There are no words to express the anguish of the surviving family, but we just pray for his happiness in the next world."(via + noch mehr Informationen auf Animenewsnetwork)

Shin Chan, für mich das Salz in der Anime und Manga Suppe!



Montag, 21. September 2009

Die chronologischen Chroniken

oder

Wie chronologisch ist das denn ?!



„Die Blueberry Chroniken verstehen sich als exklusive Blueberry Werkausgabe, in der die Abenteuer des Helden erstmals streng chronologisch und in einer sorgfältig editierten Fassung erscheinen...“, so tönt es vollmundig auf der Rückseite eines jeden neuen Bandes mit den gesammelten Abenteuern unseres allseits beliebten Heißsporns mit der markant-charmant zermatschten Nase und während man dem zweiten Teil der Behauptung, dem über die edel editierte Ausgabe, nur zustimmen kann, haut Ersterer nun leider mal überhaupt nicht mehr hin!!


Bis zum Band 12 der Hardcover-Reihe war noch alles in Butter: DIE Geschichten, an denen Giraud, ob nun als Texter oder als Autor, verantwortlich zeichnete, wurden, wie vorgesehen, schön der Reihe nach und bis zu ihrem aktuellen Stand veröffentlicht; erfolgreich, so erfolgreich, dass man sich auf Verlagsseite flugs dazu entschied, die zunächst verschmähten Jugendabenteuer Blueberys OHNE direkte Giraud-Beteiligung nun doch noch in diese Edition mit einzubinden.


So weit, so wünschenswert auch auf Seiten der Konsumenten, obschon die sehr zähen, schablonenhaften und recht schnarchigen Jugendbände der letzten Jahre sicher nicht unbedingt zu den Highlights der Serie gehören. Bei der Umsetzung dieser späten Entscheidung verspielte man jedoch gleichzeitig, und das schmerzt, ein weiteres Mal fahrlässig-grandios die Riesenmöglichkeit, eine tatsächlich rundum gelungene Gesamtausgabe zu gestalten, das ganze sicherlich beurteilt mit dem realitätsfernen Blick des nerdigen Fanboys, und doch wog er nicht minder schwer, dieser Wunsch, nach Jahren, fast Jahrzehnten des Darbens vielleicht doch in den Genuss einer ebensolchen Super-Duper-Ausgabe zu gelangen.


Denn was musste man still erdulden in den vergangenen Jahren: Angefangen mit den maschienengeletterten Kiosklappen diverser Kraut-und-Rüben-Reihen wie den „Zack-Alben“ oder der „Großen Edelwestern“, dann der Rechtsstreit der französischen Mutterverlage, der unter anderem zu unsinnigen Rumpfveröffentlichungen bei Carlsen führte, die Softcover-Edition von Ehapa, die erste, die sich anschickte eine Komplettedition sein zu wollen, die aber, auch nach Abschluss der Rechtsstreitigkeiten, weiter daran krankte, dass man die Jugendbände wüst mit den späteren Abenteuern mischte, ein (!) Band der Reihe erschien zudem mit einem farblich abweichenden Buchrücken, was im Bücherregal einfach scheiße aussieht, ja ja, auch solche Kleinigkeiten können Sammlern großen Kummer bereiten!


Doch was ist nun aktuell wieder schief gelaufen? Mit der Entscheidung des Verlages nach Band 12 die zeitlich früher angesiedelten Jugend-Stories einfach als Band 13ff ranzuheften, hat man das selbst proklamierte Vorhaben des lesbaren - weil eben chronologischen- Epos unwiederbringlich aufgegeben.


Sinnvoller, wenn auch sicherlich aus kaufmännischer Sicht riskanter, wäre in diesem Fall wohl eine, meinetwegen auch farblich abgestufte, Jugendedition beginnend mit Band 1 gewesen (der Gedanke, wie man dann wiederum mit den schon in Band 1 der Hauptserie veröffentlichten Giraud-Jugendkurzgeschichten verfahren hätte sollen, bleibt hier mal vernachlässigt, da solche Überlegungen bekanntlich zu nichts führen, außer notorische Nörgler in den Wahnsinn zu treiben..).


Giraud ist produktiv wie nie -neben vielen Projekten für den amerikanischen Markt zeichnete er in den letzten Jahren u.a. einen kompletten Band der Serie XIII, führt seine Grubert-Story weiter als „Le Chasseur Deprime“ und findet darüber hinaus noch Zeit, sich selbst zeichnerisch in bislang 5 Bänden „Inside Moebius“ karikierend zu beleuchten- und spätestens wenn der altersagile Tausendsassa seinen nächsten Blueberry vorlegt ist das Zeiten-Chaos perfekt! Es darf also weiter gedarbt werden. McNutz


Blueberry Chroniken # 14 – soeben erschienen